Der Panuco-Buntbarsch
Michael Pilack 1997
"Cichlasoma" labridens (Pellegrin, 1903) stammt aus dem Rio Panuco-System im
Osten Mexikos. Ob es sich bei meinem Pärchen um Wildfänge oder Nachzuchten
handelt, oder der genaue Herkunftsort lässt sich leider nicht mehr verfolgen.
Sie leben bei mir in einem 1,50 Meter-Becken zusammen mit "C."salvini, zwei
halbwüchsigen Vieja regani, einigen großen Scheibensalmlern und noch ein paar
Harnischwelsen.
Außerhalb der Brutzeit harmonisieren die Fische eigentlich ganz gut. Will eines
der Pärchen "C" salvini oder "C" labridens ablaichen kehrt natürlich ein wenig
Unruhe in das Becken ein. Genau wie "C" salvini benötigt "C" labridens ein sehr
großes Revier, welches die beiden aggressiv aber dadurch auch sehr erfolgreich
verteidigen.
Außerhalb der Brutzeit sind meine Tiere eigentlich ehr unscheinbar dunkelblau
bis schwarz gefärbt. Selten werden sie etwas heller, meist nur wenn sie sich
erschrocken haben, zB. wenn sie sich beim Reinigen des Beckens in einer Höhle in
die Enge getrieben fühlen und mit raschen Bewegungen an der Mulmglocke vorbei
sausen. Auch die in der Literatur beschriebenen Punkte im Kopfbereich fehlen bei
meinen Tieren. Auffällig sind die etwas rot gefärbten Flossen, besonders der
Übergang der Brustflossen vom Körper..
Das Männchen hat bis jetzt eine Länge von ca. 20 cm und ein leichter Stinbuckel
macht sich auch schon bemerkbar. Das Weibchen ist mit ca.12-15 cm kleiner als
das Männchen.
Während der Balz, bei der sich das Männchen vor das Weibchen stellt und alle
Flossen abspreizt und das Weibchen immer wieder mit der Schwanzflosse befächelt
,ziehen sie von Höhle zu Höhle bis sie die richtige gefunden haben. Das Spiel
dauert dann einige Tage, wobei das Weibchen schon langsam anfängt sich zu
verfärben und die Legeröhre deutlich sichtbar heraus tritt. Haben sie die
richtige Höhle gefunden ,wobei die Entscheidung wohl beim Weibchen liegt, werden
die Eier an der senkrechten Wand des Versteckes geheftet. Das Gelege umfasst
etwa 200 Eier. Jetzt verlässt das Weibchen nur noch selten die Höhle und ist
damit beschäftigt Eindringlinge zu vertreiben und das Gelege zu befächeln. Das
Brutpflegekleid des Weibchens hat nun seinen Höhepunkt erreicht. Die untere
Hälfte der Kopfes ist tiefschwarz ,die obere Hälfte ist bis zum Nacken hell
weiß. Hinten ist es genau anders herum. Oben ist es tiefschwarz während sich die
unteren Partien hellweiß absetzen.
Während das Weibchen das Gelege direkt bewacht, bewacht das Männchen den Eingang
der Höhle sehr weiträumig.
Nach ungefähr 4 Tagen schlüpfen die Larven. Nachdem das Weibchen die Larven 5 -
6 Tage in der Höhle hin und her gebettet hat schwimmen die Jungfische frei. Das
ist nun auch der Zeitpunkt bei dem sich mein Männchen endlich verfärbt. Die
Zeichnung entspricht der des Weibchens. Die Fische sind sehr gut in der Lage die
anderen Mitbewohner des Aquariums von den Jungfischen fern zu halten. Das Revier
wird nun bis auf 2/3 des Aquariums ausgebreitet. Dies ist natürlich für die
andern Fische nicht sehr angenehm. Doch kam es bis jetzt noch nicht zu
ernsthaften Auseinandersetzungen. Bis auf eine etwas schlimmere Rauferei
zwischen den Männchen von "C" salvini und den Männchen "C" labridens, wodurch
sich beide auch Verletzungen zu zogen. Das "C" salvini am Maul und das "C"
labridens an der Kopfseite .Doch beide Verletzungen sind wieder abgeheilt.
Das Pärchen schwimmt stolz mit den Nachwuchs durch das Becken. Auch nach ca. 2
Wochen waren noch keine Verluste ersichtlich, dennoch saugte ich die Hälfte ab
und siedelte sie in ein 120 Liter fassendes Aquarium um. Das kleine Becken ist
komplett eingerichtet mit feinem Kies, Steinaufbauten, Höhlen, Holzwurzeln und
einigen Pflanzen. Um den Algenwuchs kümmern sich zwei kleine Harnischwelse der
Gattung Ancistrus.
Die Kleinen fressen die von mir gereichte Nahrung sehr gierig. Sie nehmen jedes
kleinere Futter an, was bei mir sehr abwechslungsreich ausfällt. Angefangen von
niederen Tierchen über Plankton bis zu den schwarzen Mückenlarven. Aber auch das
pulverisierte Jungfischfutter und später zwischen den Finger zermahlenes
Flockenfutter erweist sich als geeignet.
Das Brutverhalten ist im Großen und Ganzen typisch für einen "Mittelamerikaner".
Was mich so fasziniert ist die Brutverfärbung ,die ich bisher nur von den
Zwergbuntbarschen ,den Apistogrammaweibchen kenne. Wobei mir gerade die "gelben
Labridens" einfallen (Abbildung aus S.390 im Buch von Mayland - Cichliden-) ,bei
denen es sich um die richtigen labridens ,welche Pellegrin 1903 beschrieben hat,
handelt. Ihr Verbreitungsgebiet liegt im höheren verlauf der Panucos wie dem Rio
Verde oder der Laguna Media Luna.


Diesen Bericht verfasste ich 1997, und erschien im DCG Heft.
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