Bericht zu Nandopsis haitiensis
Michael Pilack 2005
-Er ist da, aber nicht wirklich-
In der Gattungsbezeichnung Nandopsis stecken Cichliden deren Heimat die Großen Antillen sind. Aus diesem Grund werden sie auch als Inselcichliden bezeichnet. Zu ihnen gehört der bekannte „Kubabuntbarsch“ Nandopsis tetracanthus. Auch auf Kuba kommt Nandopsis ramsdeni vor. Dieser hat im Gegensatz zu N. tetracanthus allerdings nur ein eingeschränktes Vorkommensgebiet. Hispaniola, die Insel setzt sich aus zwei Staaten zusammen, Haiti und die Dominikanische Republik. Von dort stammen Nandopsis haitiensis und Nandopsis vombergae. Wobei die Validität von Nandopsis vombergae bisher noch nicht richtig geklärt ist. Seine Beschreibung beruht auf nur ein gesammeltes Exemplar von etwa 24 cm Gesamtlänge. Einziger erkennbarer Unterschied zu N. haitiensis sind wohl die stak verdickten Lippen.
Nandopsis haitiensis wurde 1935 von Tee-Van wissenschaftlich beschrieben. Bereits 1938 brachte Roloff sie mit nach Deutschland. Von ihm stammen die ersten Aquarienbeobachtungen, auch das Fortpflanzungsverhalten. Was allerdings auffällt ist die Bemerkung von Roloff sie seien leicht zu halten. Das trifft leider nicht ganz so zu. Was mit Roloffs Beobachtungen übereinstimmt ist das aggressive, territoriale Verhalten gegenüber Artgenossen und artfremden Fischen.
Was auch nicht stimmt ist die Angabe der Endgröße mit 14 cm. Sie werden nachweislich größer, im männlichen Geschlecht bis zu 35 cm.

Nandopsis haitiensis ausgewachsenes Männchen
Aber wie komme ich dazu zu sagen, das Roloffs Aussage, sie seien leicht haltbar, nicht stimmt? Anders herum frage ich mich, was hat Roloff gemacht, das seine Haitiense haltbar waren?
Mein erster Versuch mit Haitiense war die Anschaffung eines halbwüchsigen Paares. Sie kamen in mein damaliges Wohnzimmerbecken, welches ca. 500 Liter Wasser faste. Es war für Mittelamerikaner typisch mit Steinen und Wurzeln eingerichtet. So weit ich mich noch erinnern kann schwammen noch Vieja synspila und Herichthys carpintis im Becken. Es war ein toller Anblick. Er mit seiner weiß-gelben Grundfarbe, die schwarze Tüpfelzeichnung auf dem Körper, seine leichte Stirnbeule und vor allem seine supergroße, silbrig-graue Schwanzflosse. Sie war im Gegensatz zu ihm völlig schwarz. Lediglich einige weise Stellen an Körper und Kopf. Auch bei ihr waren Rücken- und Afterflosse lang ausgezogen. Von da an sollte dies mein Favorit sein. Leider hielt mein Glück nicht lange. Schon nach wenigen Tagen bekam das Männchen einen seitlichen Aufbruch über die gesamte Körperhöhe. Es traf mich völlig überraschend und unvorbereitet. Jede Erste und Zweite Hilfe waren vergebens. Er erlag wenige Tage darauf seinen Verletzungen. Mit dem Weibchen stand es nicht besser. Sie stellte jegliche Futteraufnahme ein. Dennoch begann ihr Bauch dicker und dicker zu werden. Als dann ein langer weißer Kotfaden nicht mehr abzugehen schien dauerte es auch bei ihr nicht mehr lange und sie verstarb.

Weibchen mit Jungfischen
Genau diese Symptome sollten mich von nun an bei den Versuch Haitiense zu halten begleiten. Später, als ich mit meiner Aquaristik in den Keller gezogen bin, versuchte ich es wieder. Diesmal bereitete ich ein Becken (150x50x50) vor in dem ich eine Gruppe bestehend aus 2 Männchen und 3 Weibchen hielt. Es ging alles eine Zeit lag gut. Es bildeten sich schnell 2 Paare und sie sorgten auch für Nachwuchs. Aber wenn man sich in Sicherheit wiegt, schlägt das Schicksal wieder zu. In einer Phase wo man von aus geht, das sie sich auf dem Höhepunkt des Wohlseins befinden stellte ich fast zeitgleich bei 3 Tieren einen seitlichen Aufbruch fest. Während der Brutpflege lösten sich die Tiere fast bis auf die Gräten auf. Es war schrecklich.
Auch dieser Versuch schlug fehl. Ich gab aber niemals auf und besorgte mir ständig Nachzuchten in den verschiedensten Stadien. Von Larven bis zu Tieren mit 5 cm. Ich lies einfach nichts unversucht. Bei den kleinen Tieren gab es keine Aufbrüchen. Bei ihnen kam es irgendwann zum Stillstand der Nahrungsaufnahme. Dicker Bauch, weißer Kot, …tot.
Einmal bekam ich ein großes altes Männchen. Es war nicht gerade schön und man konnte erkennen, das es schon ziemlich was durchgemacht hat. Er hatte eine Gesamtlänge von etwa 30 cm und wirkte sehr eingefallen. Aber ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Er fraß gut, wenn auch nicht viel. Sein Kot war völlig normal und auch nach einem halben Jahr keine Aufbrüche. Allerdings war es mir nie möglich gewesen ihm eine Partnerin zu besorgen. Aber der alte Bursche machte mir Mut. Vielleicht sind diese Tiere mit einem bestimmtem Alter und einer bestimmten Größe nicht mehr so anfällig?
Leider fliegen große Haiteiense-Paare einen nicht einfach so zu und mir blieb eine ganze Weile nichts anders übrig als es immer und immer wieder mit Nachzuchten zu probieren. Viele hielten mich schon für besessen und ich glaub so etwas muss es wohl gewesen sein.

Paar bei der Brutpflege
Nicht nur Haitiense, nein auch die übrigen Inselcichliden habe es mir angetan. So pflegte ich Nandopsis tetracanthus, Nandopsis ramsdeni und tue es noch heute. Auch mit diesen Cichliden gab es eine Reihe Schwierigkeiten. Den weißen Kot können sie alle bekommen. Aufbrüche konnte ich bisher bei Tetracanthus und Ramsdeni nicht feststellen. Bei den beiden Arten war und ist es ein weißer Pilzbefall auf den Körperseiten, womit sie zu kämpfen haben. Diese Erscheinungsbilder treten bei Ramsdeni und Tetracanthus immer mal wieder auf. Besonders bei Stresssituationen. So verstarb mir ein Ramsdeni-Bock, als ich ihn wegen Meinungsverschiedenheiten mit seinem Weibchen aus dem Becken nehmen musste. Er sollte vorübergehend sich in einem Extrabecken „abkühlen“ als eine Seite anfing zu verpilzen. Nun sollte man annehmen, dass man einen allein sitzenden Fisch wunderbar behandeln kann. Aber leider konnte kein mir bekanntes Medikament für Heilung sorgen. Medikamente die vorher bei denselben Symptomen gute arbeit geleistet haben. Er verstarb und Ramsdeni drohte aus meinen Keller zu verschwinden. In Belgien wurde ich fündig und versorgte mich wieder mit Nachzuchten.
Aber zurück zu Haitiense. Wenn sich mir die Gelegtheit bot Haitiense zu bekommen, nahm ich sie wahr. Dabei handelte es sich ausschließlich um kleine Tiere bis maximal 5 cm. Die Preisspanne war auch enorm. Von 0 € (von einem guten Freund) bis 8 € pro Tier. Es klappte einfach nicht.

Nandopsis ramsdeni -erwachsenes Männchen-
Nun meine Chance. Der eben genannte gute Freund trennte sich von dem gesamten Besatz eines großen Aquariums. Darunter ein großes Paar Nandopsis haitiensis. Übrigens der Hauptlieferant meiner bisherigen Versuche. Für alle Beteiligten war es eigentlich klar. Diese Paar ist dem Tod gewidmet. Dennoch war es eine Chance für mich. Ich nahm das Paar mit nach hause. Tage zuvor bereitete ich ein 230x70x60cm Aquarium vor. Dort kam das Paar hinein, alleine. Es befanden sich keine weiteren Bewohner im Becken. Nicht einmal ein Wels.

Nandopsis ramsdeni –erwachsenes Weibchen-
Es handelte sich um ein großes Paar. Er hatte 32 cm und sie war mit 28 cm nur etwas kleiner.
Es passierte fast gar nichts. Einmal erkannte recht früh einen kleinen Aufbruch bei dem Weibchen. Dies bekam ich, dank Früherkennung“, aber sofort in Griff. Von nun an Stand auf meiner Bestandsliste Nandopsis haitiensis. Sie fühlen sich recht wohl in dem Becken und sorgen regelmäßig für eine ganze Menge Nachzuchten. Das Startsignal für die Balz gibt das Weibchen. Wenn sie sich zur Fortpflanzung bereit fühl gibt sie es dem Männchen unmissverständlich zu verstehen. Trotz ihrer körperlichen Unterlegenheit gibt sie den Ton an. Sie hat ihren Gatten gut im Griff. Ich denke sie „muß“ sich aggressiver verhalten, ansonsten würde er sie wohl erbarmungslos durch Becken jagen und sie würde 2/3 ihres Lebens in Verstecken verbringen müssen. Diesbezüglich klappt es mit den beiden ganz gut. Sie schaufeln während der Balz fast das gesamte Becken um und landen letzt endlich doch immer wieder bei ein und derselben Stelle. Er kann mit seinem riesigen Maul jede Menge Kies bewegen. Nach der Befruchtung des Geleges übernimmt sie die direkte Bewachung der Eier. Er steht mit etwas Abstand darüber. Es gibt ja keine Feindfische. Dennoch wird aufgepasst. Kommt er dem Gelege zu nahe wird er kurzer Hand heraus geschoben. Nach 3-4 Tagen kommt es zum Schlupf. Die Jungen werden von der nun pechschwarzen Mutter vorsichtig umgebettet. Nach weiteren 5-8 Tagen schwimmen sie zum ersten Mal auf. Ein Pulk von kleinen Fischen streift nun durchs gesamte Becken, immer auf der Suche nach etwas fressbaren. Die Jungen werden lange geführt. Finden sie mal zu wenig Futter Werden die Eltern „beweidet“. Dies kann man häufig bei Cichliden Beobachten. Die Elterntiere nehmen dann sogar größere Verletzung wehrlos in Kauf. Anfangs war ich von den Mengen an Nachwuchs begeistert. Mittlerweile setze ich nicht einen kleinen Fisch extra. Es will mir einfach nicht gelingen. Es ist das alte Spiel. Die kleinen entwickeln sich gut. Sie fressen gut und wachsen. Bei 3-4 cm treten dann die ersten Todesfälle auf, gefolgt von dem Rest der Bande. Dies passiert nicht nur bei den extra aufgezogenen, nein auch bei den Tieren welche ich bei den Eltern belasse passiert es früher oder später. Woran liegt es? Darmparasiten, Mangelerscheinungen? Ich denke beides zusammen. Ich denke auch, wenn man das Problem professionell angeht, gezielte Untersuchungen, Ursachenforschung, Tests usw. durchführen, es in den Griff bekommen würde. Da es wohl dasselbe Problem ist welches auch bei anderen Cichliden beobachtet werden kann, wäre es von Bedeutung so etwas einmal durchzuführen. Alleine um den Bestand selten gepflegter Cichliden in den deutschen Aquarien nicht aussterben zu lassen. „Cichlasoma“ istlanum, bartoni, labridens, beani, Thorichthys-Arten, Theraps-Arten um nur einige zu nennen. Alles relativ seltene Pfleglinge wo bei der Aufzucht ihrer Nachkommen aber auch bei der Haltung immer wieder Probleme auftreten.

N. haitiensis –Männchen in voller Größe 32 cm
Männchen–Kopfstudie-
Michael Pilack 2005
Copyright © 2003- 2009 webmaster@cichlidenseite.de