Petenia splendida, Günther, 1862

Michael Pilack 1999, 2004


Der Gattung Petenia gehört nur eine Art an, Petenia splendida. Sie ist also die Typusart und somit monotypisch. Es ist eine sehr groß werdende Art aus Mittelamerika. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Süden Mexikos ( Rio Papaloapan, Rio Usumacinta ) über Belize ( Belize River ) bis nach Nordguatemala. Auf Grund seiner Größe ist dieser Fisch ein beliebter Speisefisch und wurde deshalb vielerorts ausgesetzt und ist somit weit über sein natürliches Vorkommensgebiet zu finden.

Die Grundfarbe dieser Fische ist ein silbriges Weiß mit vielen unterschiedlich großen schwarzen Tüpfeln auf dem Kopf und Körper sowie auf den unpaarigen Flossen. Zwischen den auffälligen schwarzen Kiemenfleck und den schwarzen Augenfleck in der oberen Hälfte des Schwanzstieles befinden sich sechs weitere größere Flecken, die je nach Stimmung zu schwarze Balken werden.

Dieses Zeichenmuster erinnert stark an das Aussehen von Parachromis managuensis. Auch die Körperform ( jedenfalls von der Seite ) läßt eine Verwandtschaft erkennen. Aber es gibt auch Parallelen zu den in Südamerika lebenden Caquetaia- Arten. Die Körperform, das vorstülbbare Maul und die damit verbundene Jagdtechnik lassen sich mit Petenia vergleichen. Bereits der amerikanische Ichthyologe L. P. Schultz beschrieb 1944 Petenia myersi, heute ein Synonym von  Caquetaia myersi.

Petenia splendida lebt in den unterschiedlichsten Biotopen. Jedoch werden strömungsarme und pflanzenreiche  Gewässer bevorzugt. In solchen Biotopen stehen die Räuber zwischen Pflanzen und lauern fast bewegungslos auf Beutetiere. Ihr ziemlich hoher und zusammen gedrückter Körper läßt diese Tiere fast unsichtbar zwischen Pflanzen werden. Kommt ein für sie in Frage kommendes Beutetier vorbei wird das große Maul blitzschnell nach vorne gestülpt. Dabei entsteht ein solcher Sog, das die Beutetiere regelrecht in das Maul zu fliegen scheinen.

Aber man hat Petenia splendida auch schon in strömungsreichen Biotopen beobachten können. Ihre Anpassungsfähigkeit in Bezug auf Temperatur und Härte des Wassers lassen diese Fische zu einen idealen Aquarien- Pflegling werden. Temperaturen von 24 - 30 Grad werden akzeptiert. Der ideale Wert liegt aber wohl bei 26 - 27 Grad. In früherer aber auch noch in neuerer Literatur wird von einer Haltung dieser in Natur bis zu 50 cm groß werdenden Cichliden abgeraten. Man benötige dafür spezielle große Schauaquarien. Aber Berichte wie zum Beispiel von Uwe Werner oder vielleicht auch dieser zeigen das eine Haltung dieser schönen Tiere ohne weiteres möglich ist. Zum einen werden die Aquarien der Liebhaber großwerdender Cichliden ja nicht kleiner, im Gegenteil, Becken ab 1,50 Meter und größer findet man immer öfters in den Wohnzimmern oder Hobbykellern von Cichlidenfreaks, und zum Zweiten benötigen diese Tiere für ihre Größe relativ wenig Platz. Ein jungfischführendes Salvinipärchen beansprucht genauso viel Platz wie die fast dreimal so großen Petenia. 

Neben den " normal gefärbten " Petenia's gibt es noch eine rote Form. Sie ist nicht etwa das Ergebnis von Zuchtversuchen, nein sie kommt so in der Natur vor. Es gibt eine Reihe mittelamerikanischer Cichliden die zwei solche Fabvarianten zeigen. Jüngstes Beispiel ist vielleicht Vieja fenestratus ( Günther, 1860 ) und Vieja bifasciatus ( Steindachner, 1864 ).

Als ich meine Tiere bekam zeigten sie auf ihrem gelb- orangen Körper noch schmutzig und verwaschen wirkende schwarze Flecken ( ähnlich wie bei heranwachsenden  Amphilophus citrinellus ). Dank des geschulten Auges von Jürgen Balzer, von dem ich diese Tiere bekam, nahm ich ein Paar mit nach hause. Ich lies mir von Jürgen erklären woran man nun bei dieser Größe ( ca. 12 cm ) den Unterschied erkennt. Beim genauen betrachten der Tiere fällt auf, das einige etwas dunkelorange Punkte oder Flecken in der Schwanzflosse aufweisen und einige nicht. Bei Tiere mit diesen Flecken handelt es sich fast immer um Männchen. Später, bei erreichen der Geschlechtsreife mit ca. 15 cm, ist es dann etwas einfacher. Das Männchen ist größer und schlanker und das Weibchen bleibt immer etwas kleiner und zeigt eine deutlich rundere Form. An der etwas nach vorne gerichteten breiten Geschlechtspapille lassen sich die Weibchen dann bei grösseren Tieren von den Männchen, deren Geschlechtspapille deutlich dünner und nicht so nach vorne gerichtet ist, unterscheiden.

Meine Petenia erwiesen sich stets als ruhige fast zurückhaltende Aquariumbewohner. Stets liesen sie sich von anderen Bewohnern vertreiben. Immer wieder versuchte das Paar einen Stein zu putzen . Dieses Putzen war ein Teil einer Balzzeremonie genauso wie das gegenseitige anfächeln. Es war immer eine relativ unauffällige Balz im Gegensatz zu andern Cichliden. Aber ein Vieja synspila Männchen gönnte den beiden keine Ruhe. Das Weibchen hatte sich schon einen solchen Laich angefressen, das ich schon eine baldige Laichverhärtung vermutete, wenn es nicht bald zu einer Eiablage kommt. Durch das ständige anstupsen  des Synspilum verlor das Weibchen schließlich bei jedem Fluchtversuch einige Eier bis der Bauch wohl wieder leer  war.

Ich entschloß mich das Paar umzusetzen. Sie kamen in ein 1,50 Meter Becken zu ausschließlich halbwüchsigen Tieren. Es dauerte dann auch nicht mehr all zu lange und es begann wieder eine Balz. Sie befächelten sich gegenseitig und putzten einen flachen Stein. Das auftürmen des Kieses und unterwühlen von Steinen und das ausgraben von Pflanzen bleibt bei Petenia splendida aus. Es dauerte dann ca. 1 Woche bis es zu Eiablage kam. Der Stein wurde stets im Uhrzeigersinn überschwommen, nie anders herum, dabei wurden vom Weibchen 4 - 6 Eier an den Stein geheftet. Anschließend schwamm das Männchen über den Stein und befruchtete die Eier. Das Gelege umfaßte wohl ca. 400 bis 600 weißliche relativ große Eier.

Doch bereits nach 2 Tagen war von dem Gelege leider nichts mehr da. Obwohl ich über Nacht eine Lampe im Raum anließ um den Eltern eine bessere Überwachung zu gewährleisten. Vermutlich haben sich die beiden Kaktuswelse Pseudacanthicus leopardus über das Gelege hergemacht. Auch dies beweist die Schüchternheit dieser Fischräuber. Andere Cichliden wie z. B. Parachromis managuensis setzen sich fast immer erfolgreich gegen Harnischwelse ( sogar gegen einen ca. 25 cm großen Panaque nigrolineatus) durch.

Auch bei der Fütterung gibt es keine Schwierigkeiten. Am allerliebsten fressen sie bei mir Sticks von den verschiedensten Firmen. Natürlich fressen sie auch Frostfutter. Ich biete ihnen Krill grob und fein, rote und schwarze Mückenlarven, Muscheln und Stinte an. Es wird auch alles in reichlichen Mengen aufgenommen. Dies führt unweigerlich zu einem guten Stoffwechsel. Ein Wasserwechsel von 40 - 50 % einmal in der Woche haben wohl auch zum Wohlsein dieser schönen Fische beigetragen.

Es werden nun immer öfters Petenia splendida privat und auch im Handel angeboten. Die rote Form wird wohl auf Grund ihrer Farbe immer etwas begehrter sein als die andere aber auch gemischte Paare haben sich bereits erfolgreich in deutschen Aquarien ( z.B. Uwe Werner ) fortgepflanzt. Aber egal für was man sich entscheidet, es sind wundervolle imposante Tiere, die mit ein wenig Feingefühl für die Vergesellschaftung   Blickfänge in jedem größeren Aquarium sein werden.         

 

Das war 1999. Dieser Bericht wurde im DCG-Heft veröffentlicht.

Heute (2004) pflege ich wieder Petenia splendida. Diesmal die „normale“ Farbform.

Es handelt sich hierbei um Wildfänge aus dem Rio Lacanjah. Ich ließ das Paar sich aus einer Gruppe von 15 Tieren bilden. Petenia´s kann man lange in einer Gruppe pflegen und bei entsprechender Beckengröße auch auf Dauer. Es ist zurzeit das dominante Paar im Becken und sorgt deshalb für regelmäßigen Nachwuchs. Was ich nun bei diesen Tieren festgestellt habe, ist das das Balzverhalten nun etwas ausgeprägter ist. Es kommt zu Flossenspreizung, aufblähen der Kiemen, schlagen mit der Schwanzflosse. Ja, es wird sogar gebuddelt. Und das nicht gerade wenig. Im Ganzen zeigt sich dieses Wildfangpärchen etwas aggressiver als das von mir vor Jahren gepflegte Nachzuchtpaar.

Woran es liegt? An der Tatsache das es Wildfänge sind? Das es „normal“ gefärbte Exemplare sind? Oder gibt es mir wieder in meinet These recht, das Fische Charaktertiere sind.  

2004, Michael Pilack

 

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