Systematik
Michael Pilack 2008
Eine Liste der aktuell (2008) aufgestellten Gattungen und Arten bekommst du hier
Es wird Zeit hier an dieser Stelle mal ein paar Worte zu der Systematik unserer Cichliden zu schreiben. Viel ist passiert. 1998 brachte Uwe Werner und Rainer Stawikowski wohl das letzte deutschsprachige Buch heraus das sich intensiv uA. mit Cichliden aus Mittelamerika befasst (Mayland hatte eines in Planung, leider verstarb er viel zu früh). Die Einteilung in Gattungen und Gruppen erfolgte aus den neusten wissenschaftlichen Stand und aus der Erfahrung der Autoren heraus. So vermerken sie z.B. das die sieben Vertreter der "C" longimanus-Gruppe nahe verwandt mit der Gattung Amphilophus sind, aber ihrer Meinung nach zu einer eigenen, neuen Gattung gehören dürften. Die Einteilung in ihrem Buch wurde von sehr vielen, sich mit dem Thema befassenden Aquarianeren übernommen. Aber die Tatsache, dass immer noch sehr viele Arten in der Sammelgattung "Cichlasoma" geführt wurden machte klar, dass es da noch Veränderungen geben wird. Genau das ist nun passiert. Aber auch einzelne Gattungen wurden zersplittert und aufgeteilt. neue Arten und sogar neue Gattungen sind hinzu gekommen.
Die Wissenschaft fing an die verwandtschaftlichen Beziehungen der Cichliden mit Hilfe von genetischen Analysen zu bearbeiten. Ich bin leider kein Wissenschaftler und komme auch mit den Fachausdrücken nicht so zurecht. Deshalb möchte ich darauf verzichten. Einzelne Ergebnisse dieser Untersuchungen heben bei mir ein zustimmendes Kopfnicken hervor, andere wieder nur ein Schmunzeln. Ich kann eine verwandtschaftliche Beziehung für mich mit folgenden Punkten erkennen:
Form, Farbe, Aussehen
Brutpflegeverhalten
Brutpflegefärbung
Leider bin ich nicht in der Lage dies mit der Anzahl der Kieferbezahnung, geschweige denn mit DNA-Analysen zu tun. dennoch liege ich mit meinen Vermutungen nicht unbedingt falsch. So war es für mich, und für viele von euch wohl auch, sehr fraglich den "Cichlasoma" octofasciatum zu den Astatheros zu stellen oder ein sajica mit dovii und loisellei näher verwand zu sein scheit als mit spilurus. Die Aufteilung der Gattung Vieja hingegen empfinde ich als gut. Die Gattung jetzige Paratheraps grenzt sich schon von Vieja ab. Nicht nur in Form und Farbe, auch in der Brutfärbung. Ich denke die Brutfärbung gibt uns einen sehr guten Einblick in die verwandtschaftlichen Beziehungen. So ändern alle Paratheraps während der Brutpflege ihre Färbung doch schon sehr, was man von den Vieja-Arten nicht so sagen kann.
Die erste Analyse, beruhend auf genetische Sequenzen, fiel mir 1998 auf. Es ist die Arbeit von Martin und Bermingham. Darin wurden dann auch erstmals longimanus und Co als Amphilophus aufgeführt und nigrofasciatus und Co als Archocentrus. Insgesamt haben die beiden zehn Gattungen berücksichtigt, wobei zwei aus Südamerika und 10 aus Mittelamerika stammen. Alle zehn mittelamerikanischen Arten stammen aus Costa Rica. Die nächste mir bekannte Arbeit stammt von Hulsey at al. aus dem Jahre 2003. Bei dieser Arbeit geht es hauptsächlich um Cichliden aus dem nordöstlichen Mexiko bis in den Usumacinta/Grijalva Einzug. darin werden dann auch erstmals die Paratheraps von Vieja abgegrenzt und bartoni, steindachneri und Co als Herichthys geführt. 2006 folgte eine schöne Arbeit von Concheiro at al. Darin werden dann schon eine ganze Menge Cichliden geführt. Insgesamt über 90 von ca. 70 aus Mittelamerika. Sie waren es die dann auch anstatt "Cichlasoma" zu schreiben "Heros" an dieser stelle schrieben. Was mir einleuchtete, denn es handelt sich ja um heronie Cichliden und nicht um cichlasomine Cichliden. Michi Tobler fasste die Arbeit von Concheiro at al 2007 wunderbar zusammen und bildet damit eine Grundlage. So wurden dann nigrofasciatum und Co als Archocentrus geführt und macracanthus und Co als Archocentrus. Einzig die Bezeichnung "Heros" für die einzelnen, wissenschaftlich noch unklaren Gruppen, verwendet Michi nicht, er nimmt wieder "Cichlasoma". Doch auch diese Arbeit muss sich schon wider Veränderungen hin geben.

Ein Ausschnitt aus den Stammbaum von Concheiro at al
Eine sehr umfangreiche Arbeit von Juan J. Schmitter-Soto in diesem Jahr (2007) revidiert die Gattung Archocentrus und stellt gleich zwei neue Gattungen auf mit insgesamt 6 neuen Arten auf. Nach Schmitter-Soto beinhaltet die Gattung Archocentrus wieder nur ihre drei Arten. Die Gattung Cryptoheros bekommt wieder Gültigkeit mit zehn Arten. Cryptoheros chetumalensis kommt als neue Art hinzu. Zu der Gattung Hypsophrys gesellet sich neben nicaraguensis nun nematopus.

Eine Abbildung aus der Arbeit von Schmitter-Soto, sie zeigt den Holotypus von H. nicaraguensis
Der Kosmopolit "Grünflossenbuntbarsch" wird vernünftiger Weise von Cryptoheros ausgeschlossen. er bekommt eine eigene Gattung. Amatitlania. Klingt gut und spielt auf den ursprünglichen Fundort des ersten Heros nigrofasciatus an. Dieser wurde von Salvin im Lakes Amatitlan und Atitlan in Guatemala gesammelt und von Günther 1869 als Heros nigrofasciatus beschrieben. Hinzu kommen drei weitere Arten zu Amatitlania. Auch unser "Cichlasoma" octofasciatum bekommt nun nach über 100 Jahren nun endlich seine eigene Gattung. Rocio wird sie von Schmitter-Soto genannt. Rocio ist spanisch und heißt übersetzt Morgentau und spielt auf die blauen Glanzflecken an. Gute Auswahl.

Eine Abbildung aus der Arbeit von Schmitter-Soto, sie zeigt Rocio octofasciata
Hinzu kommen zwei neue Arten. Wobei Rocio ocotal schon in unseren Aquarien lange gepflegt wurde und als Standortvariante von octofasciatum gehalten wurde.
Nun werden alle Gattungen, ihre dazugehörigen Arten, sowie alle noch wissenschaftlich zu bearbeitenden Gruppen aufgeführt. Dies ist zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Niederschrift der aktuelle Stand für mich.
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