Vieja = Paraneetroplus?
Michael Pilack 2011
Die Gattung Vieja steht ja eigentlich von Anfang an ( 1969) durch eine spärliche Beschreibung auf wackeligen Beinen. Einige Wissenschaftler und Interessierte geben sich damit zu frieden, für andere gehört die Gattung Vieja zusammen mit Chuco und Paratheraps neu aufgesplittet. So sahen es auch McMahan, Geheber und Piller als sie bereits 2008 eine Überarbeitung ankündigten (http://www.asih.org/files/abstracts_2008_part3.pdf) Seit September 2010 ist ihre Arbeit offiziell und fertig. Sie untersuchten die 16 Arten die wir zum größten Teil in der Gattung Vieja finden.
Vieja argentea, V. bifasciata, V. breidohri, V. fenestrata, V. godmanni (Chuco), V. guttulata, V. hartwegi, V. heterospila, V. intermedia (Chuco), V. maculicauda, V. melanura, V. microphtalma (Chuco), V. regani, V. synspila, V. tuyrensis und Vieja zonata.
Die drei Wissenschaftler kommen nach ihren genetischen Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass Paraneetroplus bulleri mit den meisten Arten aus der Gattung Vieja am nächsten Verwand ist. Da die Gattungsbezeichnung Paraneetroplus bereits bestand als Vieja als eine Gattungsbezeichnung hinzu kam ist Vieja als ein Synonym zu Paraneetroplus anzusehen. Somit beinhaltet die Gattung Paraneetroplus ( Regan, 1905)13 Arten.
Paraneetroplus bulleri (Typusart)
P. argentea
P. bifasciata
P. breidohri
P. fenestrata
P. gibbiceps
P. guttulata
P. hartwegi
P. maculicauda
P. melanura
P. regani
P. synspila
P. zonata
Vieja heterospila , Chuco godmanni, Chuco intermedius und Chuco microphthalmus sehen sie in der Gattung Theraps. So das die Gattung Theraps ( Günther, 1862) sich wie folgt ergibt
Theraps irregularis (Typusart)
T. bocourti
T. coeruleus
T. godmanni
T. heterospila
T. intermedia
T. lentiginosus
T. microphthalma
T. nourissati
T. pearsei
T. ufermanni
Vieja tuyrensis und Paraneetroplus nebulifer werden von McMahan et al. in keine der beiden Gattungen eingeteilt. Paraneetroplus omonti und Theraps wesseli vermisse ich ganz.
Die gesamte Arbeit kann hier http://www.selu.edu/acad_research/depts/biol/faculty/publications/pdf/2010/McMahan_et_al_2010.pdf nachgelesen werden.
Paraneetroplus bulleri nun die Typusart für Cichliden wie Vieja bifasciata?
Paraneetroplus
bulleri
Vieja bifasciata

Vor gut 100 Jahren, als die meisten unserer Cichliden wissenschaftlich beschrieben wurden sind hatte die Wissenschaft natürlich noch lange nicht die Mittel und Methoden von heute. Damals hat man neue Gattungen (jedenfalls die Namen dafür) oft Verglichen mit schon bestehenden Gattungen oder der Name wurde abgeleitet aus Merkmalen welche typisch für diese Art sein soll. So leitete Regan 1905 Paraneetroplus von Neetroplus ab (para= in der Nähe). Wahrscheinlich weil Regan viele Gemeinsamkeiten zu Neetroplus fest gestellt hat aber wohl auch genug Abweichungen die eine eigene Gattung gerecht fertigen. Heute wird die Verwandtschaft oder Zugehörigkeit genetisch untersucht und nachgewiesen. Das mag wissenschaftlich gesehen wohl auch richtig sein. Aber für uns Aquarianer, jedenfalls geht es mir so, ist es schwer eine Verwandtschaft von z.B. pearsei und coeruleus zu sehen und zu akzeptieren. Sind sie doch eigentlich völlig unterschiedlich vom Aussehen und von der Lebensweise.
Gehen wir noch mal zurück in das Jahr 1908. Das Jahr in dem C. T. R. , C. Tate Regan, sein Werk " Biologia Centrali-Americana" heraus brachte. Ich möchte mal auflisten wo unsere Fische damals standen. Fangen wir mit Paraneetroplus bulleri an. Regan stellte bulleri in die für diese Art neu erstelle Gattung Paraneetroplus ein. Es ist die einzigste Art in dieser Gattung. Der von Steindachner 1864 beschriebenen Heros gibbiceps wird von Regan in dieser Arbeit nicht erfasst.
Paraneetroplus argentea , P. breidohri, P. hartwegi, P. regani, P. synspila, Theraps coeruleus, T. heterospila, T. nourissati, T. ufermanni und T. pearsei wurden erst später wissenschaftlich erfasst und beschrieben.
Regan unterteilet Cichlasoma, in diesem Buch Cichlosoma geschrieben, in Sektionen. In der Sektion Theraps finden wir nun alle übrigen genannte Cichliden:
P .maculicauda, P. fenestrata, P. bifasciata, P. guttulata, P. melanura, Theraps microphthalma, T. intermedia, T. godmani, T. irregularis, T. lentiginosus .
P. zonata wird als eine noch zu unreichend beschriebe Art genannt aber dennoch von Regan in die Sektion Theraps gestellt.
Vieja maculicauda und Chuco microphthalmus in einer Sektion?
Cichlosoma maculicauda aus Regan 1908

Cichlosoma microphthalmus aus Regan 1908
Wir sehen das Regan schon damals eine Verwandtschaft dieser Arten sah. Aber auch da gibt es schon Ungereimtheiten für mich. Wie kann man einen Cichlasoma irregulare und Cichlasoma lentiginosum zusammen mit Cichlasoma fenestratum oder bifasciatum in eine Sektion tun? Es gab damals und es wird heute wohl an jeder wissenschaftlichen Arbeit immer etwas geben was uns nicht so richtig erscheint. So wie an dieser neuen Arbeit. Ein nächster Verwandter von "Cichlasoma" pearsei soll auf einmal ein Theraps coeruleus sein? Wie gesagt, es wird immer etwas geben.
Die neue Einteilung der Gattung Paraneetroplus gefällt mir eigentlich . Klar, sind doch fast alle typischen Viejas dabei. Natürlich wären dann auch P. nebulifer (bei Regan auch in der Sektion Theraps), P. omonti hier zu nennen. Bei P. bulleri erwähnt Regan eine nahe Verwandtschaft zu P. nebulifer. Wobei die "großen" Reophilen etwas aus den Rahmen fallen.
Theraps bocourti wird von Regan als Herichthys geführt. Die neue Einteilung der Gattung Theraps gehört für mich noch viel Fantasie zu dort zusammenhänge zu erkennen. Selbst dann klappt es nicht. Da sind z.B. die "kleinen" reophilen Cichliden die in eine eigene Gruppe gehörten. T. microphthalmus und T. godmanni (hier wieder mit zwei "n", bei Regan mit einem "n") könnte ich mir wiederum ehr in der neuen Paraneetroplus-Gruppe vorstellen, genau so wie T. intermedia. Den T. nourissati könnte ich mir ehr wieder bei Astatheros vorstellen. Theraps heterospila und T. ufermanni gehören bestimmt zusammen, genau wie T. pearsei und T. bocourti aber jeweils in eine andere, eigene Gruppe.
Ich weiß nicht in wie weit es uns Aquarianer betrifft. Aber ich würde schon gerne wissen, wie ich meine Fische zu nenne habe. So hoffe ich dass es auf der einen Seite noch etwas Bewegung in den wissenschaftlichen Untersuchungen geben wird, aber auf der anderen Seite es nicht noch mehr und immer wieder andere Namen für unsere Fische geben wird.
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