Welse und Cichliden

Michael Pilack 2007


 

Für Aquarien mit Fischen aus Südamerika gehören sie dazu wie das Wasser für selbiges. Wie sieht es aber aus für Liebhaber mittelamerikanischer Cichliden? Welche kann man nehmen und welche passen gar nicht? Passen sie überhaupt in ein Becken mit Vieja und Co?

Die Rede ist von Welsen, von Harnischwelsen aber auch von Raubwelsen.

Da mich die Familie der Loricariiden schon länger interessiert als die Familie der Cichliden nehmen sie in meinen Aquarien einen festen Bestandteil ein. Einige leben fast unbemerkt mit Buntbarschen in meinen Becken zusammen, andere finde ich so toll, dass sie die Hauptrolle im Aquarium spielen.  Ich habe es auch schon mal mit Raubwelsen  aus der Familie der Pimelodidae versucht. Von alle dem möchte ich hier berichten.

Die Zeiten das Welse als Staubsauger und Restevertilger angesehen werden sind seit der „Erfindung „der L-Welse vorbei. Obwohl sich an der Funktion nichts geändert hat. Sie halten unsere Becken ja immer noch sauber. Jedoch hat man sich mit den Harnischwelsen seit dem mehr befasst. Man ist mehr auf die Bedürfnisse dieser Welse eingegangen. So hat man erkannt, dass es jede Menge Nahrungsspezialisten unter ihnen gibt.

Ein schöner Wels ist immer ein Blickfang in einem Aquarium. Vorausgesetzt man bekommt ihn zu Gesicht. Dies ist bei den Harnischwelsen, z.B. den L-Welsen, leider nicht immer der Fall.  Aber es gibt auch Welse die auf Grund ihrer Größe aber auch auf Grund ihres Charakters, eine nicht so versteckte Lebensweise führen. Wenn man auch mal Welse in seinem Aquarium sehen möchte, dann eignen sich vor allen solche. 

 

Glyptoperichthys gibbiceps, der wohl bekannteste Segelschilderwels

 

Zuerst möchte ich von Welsen berichten mit denen ich gute Erfahrungen sammeln durfte. Dazu gehören die uns allen bekannten Segelschilderwelse. Zu ihnen zählt man heute drei Gattungen. Glyptoperichthys mit 7 Arten, Liposarcus mit 3 Arten und Pterygoplichthys mit 3 Arten.

 Der bekannteste Glyptoperichthys ist ohne Zweifel der Glyptoperichthys gibbiceps. Mit seiner riesigen Rückenflosse und attraktiven Zeichnung ist er seit Jahren in unseren Aquarien zu hause. Jeder kennt ihn und er ist im Handel eigentlich immer verfügbar.  Mittlerweile fast ebenso bekannt ist G. joselimaianus.  Mit ihm begann 1988 die Bezeichnung L-Welse für importierte Harnischwelse noch unbekannter Identifikation. Er erhielt die Bezeichnung L 1. Aber auch die übrigen weniger bekannten, dennoch attraktiven, Glyptoperichthys sind heute ab und an im Handel anzutreffen. Mein Favorit unter den Glyptoperichthys ist Glyptoperichthys scrophus. Dieser hat ein besonders markantes Aussehen.

Der wohl schönste Liposarcus ist L. anisitsi, der bekanntere jedoch Liposarcus pardalis. Von den drei Pterygoplichthys-Arten gibt es leider noch keine aquaristischen Erfahrungsberichte. Sie wurden bisher noch nicht eingeführt, jedenfalls blieben sie bisher unerkannt.

Alle zusammen erreichen eine Größe über 30 cm. Sie sind anderen Fischen gegenüber relativ friedlich, nehmen Nahrung in allen Formen an und halten die Becken von Algen sauber. Sie eignen sich hervorragend zur Vergesellschaftung mit Cichliden. Innerartig kommt es ab und zu zu Streitigkeiten.

Gute Erfahrung durfte ich mit Squaliforma im Cichlidenbecken machen. Diese großwerdenden Harnischwelse wurden lange Zeit als Hypostomus geführt. Mittlerweile genießen sie den Stand einer eigenen Gattung. Zu recht. Der bekannteste unter ihnen dürfte  Squaliforma emarginata sein. Viele L-Nummern  mit der Bezeichnung Squaliforma cf. emarginata sind in den letzten Jahren eingeführt wurden. So auch der von mir gepflegte L 153 aus Venezuela. Diese über 40 cm werdenden Welse wirken schlanker und graziler als ihre nahen Verwanden Hypostomus. Besonders interessantes Merkmal sind die bei den Männchen die langwerdenden  und spitzen Odontoden auf den Brustflossen.

Für einen ganz besonderen Wels hatte ich sogar mal ein eigenes Aquarium eingerichtet. In diesem Becken war der Wels der Hauptdarsteller und die Cichliden die Beifische.

 L 95, Pseudorinelepis genibarbis. Über die wissenschaftliche Zuordnung innerhalb der Gattung möchte ich hier nichts sagen. Das ist Aufgabe der Wissenschaft. Allerdings kann ich sagen, dass der Pseudorinelepis aus Brasilien der attraktivere ist. Auf grün-grauen, manchmal etwas blau schimmernden, Untergrund befinden sich zahlreich größere schwarze Punkte. Die Enden der Rücken-, und Schwanzflossen sind orange gefärbt, ebenso orange ist die Wangenpartie. Aus dieser Wangenpartie wachsen zahlreiche Odontoden, welche bei den Männchen wahrscheinlich etwas länger werden dürften. Ich hatte eine Gruppe von 5 Tieren. Alle über 25 cm. Das größte Exemplar mit über 40 cm. Man kann zwar einige Unterschiede ausmachen, ob es sich aber tatsächlich um Geschlechtsmerkmale handelt kann ich nicht sagen. Für mich sind es kleine Merkmale und wenn man die Gruppe beobacht verstärkt sich diese Meinung.

Diese Welse legen ein Verhalten an den Tag dass man von Harnischwelsen so gar nicht gewöhnt ist. Dieser Fisch nimmt aktiv am Aquarienleben teil. Er versteckt sich kaum. Ist den ganzen Tag in Bewegung. Die innerartige Aggression die ihm nachgesagt wird, konnte ich nicht feststellen. Neben gelegentlichen Schieben und Stupsen sind sich die beiden vermeintlichen Männchen aus dem Weg gegangen. In der Literatur wird geschrieben, dass Pseudorinelepis Grünfutter als Hauptbestandteil seiner Nahrung aufnimmt. Dies kann ich nicht bestätigen. Alles von mir gereichte Grünfutter, wie Broccoli, Spinat, Salat, Gurke, Zucchini, Kartoffel, wird nur zögerlich gefressen. Anders bei Frostfutter wie Rote Mückenlarven, Bachflohkrebse, Krill und Rinderherzmischungen (für Diskus). Dies wird alles zügig aufgesaugt. Aber am aller liebsten mögen sie Diskusgranulat von Tetra.

Neben den 5 großen Pseudorinelepis aus Brasilien pflegte ich noch 5 kleine aus Peru. Diese zeigen nicht diese auffälligen Merkmale. Ihnen fehlt die Punktzeichnung auf Körper und Flossen. Es sind zwar Punkte vorhanden, jedoch nicht so zahlreich wie bei den Tieren aus Brasilien. Auch ist nichts von einer orangenen Färbung am Kopf oder den Flossen zu sehen. Dies mag zum Teil daran liegen, dass es sich um junge Tiere gehandelt hat. Jedoch ist war das größtes Exemplar aus Peru auch schon ca. 20 und zeigte keinerlei Veränderung. Wahrscheinlich handelt es sich doch um zwei verschiedene Arten. Wenn nicht, dann sind es auf jeden Fall verschiedene Varianten.

Vieja maculicauda, ein beliebter Cichlide aus Mittelamerika

 

 

All die bis hier genannten Arten kann ich für eine Vergesellschaftung mit Cichliden aus Mittelamerika empfehlen. Wenn gleich es all diese Arten natürlich auch Wert sind ein eigenes Becken für sie her zu richten, wie ich es mit L 95 getan habe. Im Übrigen hatte ich als Beifisch für die L 95 eine Gruppe Hypselecara temporalis gewählt. Neben den hier genannten Welsen möchte ich noch Hypostomus empfehlen. In dieser Artenreichen Gattung ist für jeden Geschmack etwas dabei. Bei diesen Welsen handelt es sich fast durchweg um anpassungsfähige mittelgroß bis große Welse. Natürlich ist bei den großwerdenden

Welsen darauf zu achten, das die Bemessung der Aquarien passt. Auch möchte ich sagen, dass sie alle über einen guten Stoffwechsel verfügen und ein gut funktionierender Filter und der Wasserwechsel unumgänglich sind. Aber dies gilt ja nicht nur für Welse sondern für all unsere Pfleglinge.

Als kleinere Harnischwelse (ab 10 cm) möchte ich hier unsere altbekannten und altbewährten Ancistruswelse nennen. Da eignen sich wohl durchweg fast alle Arten. Wobei sie auf Grund ihres Verhaltens und Färbung ein ehr unscheinbares Leben führen. Allerdings gibt es bei den Ancistrus sehr wohl auch überaus attraktiv gefärbte Arten. Diese verdienen aber eine Gesellschaft in der sie mehr Beachtung bekommen.

Gute Erfahrung habe ich mit L 128 gemacht. Sie leben zwar etwas versteckt, sind aber wunderbare Algenvernichter. Gleiches können Freunde von mir vom L 200 berichten. Noch ein weiterer L-Wels befindet sich in meiner Obhut. L 124, mittlerweile als Ancistomus sabaji beschrieben, aus Venezuela ist ein schön gezeichneter bis 20 cm großwerdender Wels. Bei mir befindet er sich allerdings nur in Gesellschaft mit kleineren Cichliden wie Thorichthys und ist abgesehen von seiner etwas scheuen Lebensweise bisher nur positiv aufgefallen. Ihn kann ich mir auch in Gesellschaft mit größeren Cichliden durchaus vorstellen.

Bei den kleineren Welsen muss man unbedingt darauf achten, dass sie erst ab einer gewissen Größe mit großen Cichliden zu vergesellschaften sind. Sonst läuft man Gefahr, dass sie gefressen oder zumindest kaputt gebissen werden. Auch sind solche kleinen Welse in der Lage unseren großen Cichliden schwere Verletzungen im Maul zuzufügen. Noch kleinere Welse, wie zum Beispiel Otocinclus, würde ich nicht zu großen Buntbarschen setzten. Diese würden nur den Speiseplan erweitern.

 

Eine der schönsten Gattung der Harnischwelse ist Panaque. Trotz ihrer Schönheit finde ich sie nur Bedingt geeignet. Ich habe sie als territorial kennen gelernt, die im Gegensatz zu den anderen Welsen sich auch durch Cichliden in ihrem Revier gestört fühlen. Sie schieben und drücken selbst einen doppelt so großen Buntbarsch konsequent zur Seite. Dies mag man ja, wenn man genug Platz hat, noch in kauf nehmen. Was mich zu dieser Meinung  bewegt hat ist die Tatsache dass ich noch nie einen Wels gesehen habe der einen größeren Stoffwechsel hat als ein Panaque. Sie verputzen riesige Mengen Holz und scheiden es natürlich in riesigen Mengen wieder aus. Innerhalb kürzester Zeit bedecken die Exkremente den Boden des Aquariums und machen es so unansehnlich und dem Pfleger viel arbeit. Natürlich nimmt ein Liebhaber dieser Welse all dies in kauf und muss seinen Rhythmus entsprechend anpassen.

Petenia splendida aus dem Rio Lacanjah, einer der friedlichsten Räuber

 

Ich möchte nun zu den Antennenwelsen, den Pimelodidae, kommen. Um es gleich vor weg zu nehmen, ich halte sie durchweg alle für ungeeignet sie mit Cichliden aus Mittelamerika zu vergesellschaften. Was bewegt mich dazu? Nun in erster Linie sind es ihr lang ausgezogenen Bartelpaare. Sie besitzen drei Bartelpaare, wovon mindestens ein Paar immer lang ausgezogen ist. Diese Barteln dienen dem Wels uA. zur Orientierung und zur Futtersuche. Genau das schränkt ihn zur Vergesellschaftung mit Cichliden ein. Einmal selbst der Wels fühlt sich durch das ständige Berühren seiner Barteln mit dem Mitbewohner, oder bei zu klein gewählten Aquarien gar die Seitenscheiben, sichtlich unwohl und wirkt immer nervös. Aber auch unsere Cichliden sind, vor allem nachts, gestört wenn der Wels nach Nahrung sucht und so die Buntbarsche ständig abtastet.  Zum Zweitem spiel ihre Größe eine wichtige Rolle. Es gibt zwar auch klein bleibende Arten, jedoch die uns meist bekannten Arten sind wahre Riesen. Abgesehen davon dass man entsprechende Behälter zur Pflege benötigt muss man darauf achten, dass die Cichliden nicht zum Futter umfunktioniert werden.

 

Sorubim lima

 

Ich finde auch diese Welse absolut schön und habe mich deshalb auch schon zu einer Pflege hinreisen lassen. So pflegte ich zum Beispiel

Laiarius marmoratus und Pseudoplatystoma fasciatum. Beides wunderschöne Tiere, genau wie alle anderen auch. Ich habe sie mir jung geholt. Es sind wahre Fressmaschinen. Sie überwältigen Sachen wo man denkt jetzt ersticken sie. Tiere die so fressen wachsen auch rasch. Und so ist in kürzester Zeit aus einem 12 cm kleinen Fisch ein  30 cm Wels geworden. Allerdings handelt es sich dann immer noch um einen Jungfisch. Es gibt für mich keinen Zweifel, es sind wunderschöne, interessante Tiere. Jedoch ab einer gewissen Größe sollte man sich um einen anderen Pfleger mit entsprechenden Kenntnissen und Behältern kümmern.

Natürlich gibt es noch eine ganze Reihe mehr Gattungen in der Ordnung der Siluriformes und ich kann und möchte hier nicht auf alle eingehen. Ich denke die wichtigsten Gattungen sind genannt. Auch wird nicht jeder meine Meinung teilen und kann bestimmt auch über andere Erfahrungen berichten. So weiß ich zum Beispiel von einer erfolgreichen Vergesellschaftung mit Sorubim lima und mittelamerikanischen Großcichliden. Jeder Pfleger von Großcichliden hat sich schon einmal Gedanken über eine Vergesellschaftung mit Welsen gemacht. Egal zu welchem Ergebnis man kommt, sollte alles genau Durchdacht sein. Wie groß werden die Welse. Ist mein Becken dafür geeignet. Welche Fische sollten im Mittelpunkt stehen. Gibt es bereits Erfahrungen mit meinen Wunschfischen. Habe ich die Möglichkeit zu groß werdende Fische weiter zu vermitteln. Die Futterbeschaffung spielt vor allem bei Antennenwelse keine unerhebliche Rolle und bei vielen L-Welsen ist es auch eine Frage des Geldes. All dies muss man sich überlegen. Letztendlich sind wir für die Fische verantwortlich. Als einen ganz wichtigen Punkt bei einer Vergesellschaftung von Harnischwelsen mit Cichliden sehe ich die Fütterung der Welse. Befinden sich zu viele Cichliden im Becken werden unsere Welse nur wenig Futter abbekommen oder finden. Unsere Cichliden fressen alles auf und durchsuchen  fast den ganzen Tag den Bodengrund nach etwas fressbaren ab. Dies sind natürlich schlechte Aussichten für unsere Welse. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass sie genügend abbekommen. Nach einer gewissen Zeit haben sich die Welse an den Rhythmus der Fütterungen gewöhnt und werden dann aktiv an der Fütterung teilnehmen. Pflegt man rein nachtaktive Welse ist entsprechend zu reagieren.

Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe Liebhaber, die sich den großen Fischen verschrieben haben. Sie haben Behälter mit 5000 Liter oder mehr und pflegen darin erfolgreich schöne Welse wie den Rotflossen-Antennenwels Phractocephalus hemioliopterus, den Tigerspatelwels Pseudoplatystoma und andere die eine Größe von 1,50 und mehr erreichen können. Wenn man sich mit diesen Leuten unterhält stellt man schnell fest, das für sie unsere Cichliden eigentlich nur Beifische sind.

 

Vieja melanura ist mit Vieja synspila nahe verwand

 

 Gruppenbild mit Pseudorinelepis genibarbis

 

 

 

 G. scrophus, große Welse verlangen viel Nahrung

 

 

Glyptoperichthys scrophus, ein skurril erscheinender

 aber ruhiger Pflegling

 

 

Leiarius marmoratus, leider ein schlechtes Fotomodell

 

 

 

 

Hypselecara temporalis, ein ruhiger Südamerikaner

 

 

 

 

Pseudoplatystoma fasciatum, mit ca. 30 cm noch ein Baby

 

 

 

 

 

Parachromis loisellei, der kleinste und friedlichste „Guapote

 

 

 

Solche Riesen, hier eine Kreuzung aus Phractocephalus hemioliopterus und Pseudoplatystoma fasciatum, werden zu groß für „normale“Aquarien

 

 

 

Quellen:

Mergus Wels Atlas Band 2 Ingo Seidel und Hans-Georg Evers

Das Große Buch der Welse von Claus Schäfer aus dem bede Verlag

Handbuch der Welskunde von H.-J. Franke aus dem Landbuch Verlag

www.cichlidenseite.de, meine Homepage

 

 

Juli 2007

 

 

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