Das Mittelamerika-Becken von Hellabrunn
Zum Urlaub 2004 zog es uns , wie im Jahr zuvor, in den wunderschönen Chiemgau. Dort einen Urlaub zu verbringen ist empfehlenswert. Neben wandern in den Bergen, Besichtigungen von Bergwerken, baden im Chiemsee oder einen von vielen Seenplatten nordwestlich vor dem Chiemsee, bietet sich München als Ausflugsziel an. Eine knappe Autostunde vom Chiemsee und man ist mitten in München. Natürlich gibt es dort viel zu sehen. Deutsches Museum, Hofbräuhaus und natürlich der Tierpark Hellabrunn.
Meine Frau und ich (natürlich auch meine Kinder) sind leidenschaftliche Zoobesucher. Aber allerdings auch sehr kritisch was die Haltung und den Platzbedarf der Tiere anbelangt. Wir sind aber zum Ende des Besuches zu dem Ergebnis gekommen, das dieser Zoo auf jeden Fall einen oder auch mehrer Besuche wert ist. Wir waren schon in vielen Tierparks mit grossen Namen die sich München als Beispiel nehmen sollten. Letztendlich ersetzt kein noch so schönes, noch so grosses Gehege, Terrarium, Aquarium oder was auch immer die Natur. Aber es ist und bleibt nun mal für die meisten von uns die einigste Möglichkeit Tiere zu sehen. Tiere aus fernen Länder, große und kleine, aber auch einheimische Tiere die ja bei und schon selten geworden sind oder gar schon verschwunden. Das gilt natürlich auch für viele Tier aus aller Welt. Tierparks setzen sich überall für den Tierschutz, Naturschutz und für die Arterhaltung ein.
Das Aquarium im Tierpark Hellabrunn setzte schon sehr früh Maßstäbe und machte sich einen Namen durch die Haltung, Pflege und Vermehrung von den seltensten Fischen. In vielen älteren Aquarienbüchern finden sich Fotoaufnahmen von selten eingeführten und gehaltenen Tieren welche im Aquarium Hellabrunn gemacht worden sind .(z.B. Günther Sterba)
Die Becken sind gut dimensioniert, geographisch sortiert und
alle in einen sauberen und sehr guten Zustand. Tropische Salz- und
Süßwasser aber auch Kaltwasser. Das erst neu gestaltete Haifischbecken hat sein
Volumen mehr als verdoppelt und hat nun einen Inhalt von 38000 Liter.
Das grosses Piranha-Becken ist von beiden Seiten einsehbar und
lässt erkennen wie groß Piranhas werden können. Dies wird dem einen oder anderen
Aquarianer doch etwas zu denken geben. Das Südamerikanischer Salmlerbecken ist
Heimat von unzähligen Neonsalmlern, Beilbauchsalmlern. Welsen und einer
Mesonautaart. Was in keinem Zoo fehlt ist ein Becken mit Pacus. Große Pacus
zusammen mit großen Raubwelsen. Da waren 1 Perrunichthy perruno, 2 oder 3
Rotflossenantennenwelse (Phractocephalus hemioliopterus, 2 Tigerspatelwelse (
Pseudoplatystoma fasciatum) sowie einen Raubwels welchen ich als Kreuzung
einstufen würde zwischen P. fasciatum und Ph. hemioliopterus. Sehr schön fand
ich auch das Becken mit nordamerikanischen Sonnenbarschen und Knochenhechte.
Hierbei handelte es sich allerdings um junge Knochenhechte mit einer Länge von
ca. 25 cm. Sie haben also noch was vor was das Wachstum angeht. Gleiche gilt für
den Schwarm Mühlsteinsalmler, Knochenzüngler, den Rochen und den Haifischen.
Absolut als Ausgewachsen würde ich die beiden Zitteraale mit ca. 2 m bezeichnen.
Dann ist da noch das grosse Becken mit europäischen Fischen wie Karpfen, Stör
usw.. Prima gemacht ist auch die Brackwasseranlage. Im Wasserteil wird eine
Brandung nachempfunden in welcher sich Silberblätter und Haiwelse tummeln
während sich im Landteil Schlammspringer sichtlich wohl fühlen. Eine Augenweite
auch das Frontosabecken.
Aber was ist mit den Mittelamerika-Becken?
Eine grosse Enttäuschung. Alle Besucher drücken sich ihre Nasen
an allen Aquarien platt, nur am Mittelamerika-Becken schauen sie mal kurz rein
und gehen weiter, wenn sie überhaupt mal rein schauen. Das erste was mir dazu
einfiel war, das dieses Aquarienhaus eine Beliebtheitsscala von
Aquarienfischen widerspiegelt. Es ist wie auf dem freien Markt. Nur sehr wenige
haben ein Interesse an mittelamerikanischen Cichliden. und bei einen Blick in
das Becken kann ich das auch verstehen. Ein grosses Becken mit farblosen, alten
Tieren. Kein Wunder, so etwas will keiner sehen. Der einigste Lichtblick in
diesen Becken ist das brutpflegende "Cichlasoma" festae Paar, die allerdings
kommt aus Südamerika.
Was ist
sonst noch darin. Einige citrinellum-labiatum Kreuzungen als Amphilophus
labiatus deklariert, einige Vieja maculicauda ohne jegliche Rotfärbung, einige
alte, wirklich alte und farblose, Vieja guttulata und 1 Exemplar von
"Cichlasoma" octofasciatum.

Nicht das es sich dabei um unschöne Arten handelt. Nein, ich pflege z.B. ebenfalls Vieja maculicauda und sie zählen bei mir mit zu den schönsten Fischen. Nein, das Becken ist einfach geschmacklos zusammengewürfelt. Das geht auf jeden fall besser. der Beweis sind die Becken meiner Bekannten und auch meine. Vielleicht bin ich auch so enttäuscht weil ich weis das es besser geht. Vielleicht sollte sich Hellabrunn mal von einen Pfleger mittelamerikanischer Buntbarsche beraten lasen und sich mal neue Tiere schenken lassen. Denn jeder weiß das diese Tiere nun wirklich nicht teuer sind.
Mein Vorschlag für das Mittelamerikabecken im Tierpark Hellabrunn:
Aller jetzt vorhandenen Tiere raus. Als Neubesatz schlage ich folgendes vor:
Vieja synspila (kennt doch jeder), einige echte Citrinellum ( wg. dem Kontrast), Parachromis managuensis (haben die Form des typischen Räubers), "Cichlasoma" salvini (farblich wunderschön und gute Bruträuber) und wenn es der Platz noch zulässt noch etwas Blau mit Herichthys carpinte.
Ich glaube, oder besser ich weis, das dann mehr Besucher bei diesen Becken stehen bleiben würden und über die Frechheit von Salvinis lachen, wie diese den brutpflegenden Synspilum Jungtiere klaut, oder wie ein Managuense-Mann mit weit aufgerissenen Maul versucht einen Citrinellum-Mann aus seinem Revier zu vertreiben und dieser seine Stirnbeule als Schutzschild einsetzt.
Ich weis es.....
Michael Pilack
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