Kolumbien / Chocó / Januar 2019

Da unsere Winter doch recht ungemütlich sein können, haben wir beschlossen Anfang 2019 nach Kolumbien zu reisen. Es geht von Frankfurt nach Bogota. Von Bogota nach Medellin. Hier steigen wir in unser Mietauto und ab geht die Reise in den Chocó. Der Regenwald Chocó ist eine der regenreichsten Gebiete der Welt. Hier fallen im Jahr durchschnittlich 7,5 Meter Niederschlag. Zum Vergleich, in Kassel sind es gerade einmal 0,5 Meter Niederschlag im Jahr. Entsprechend werden wir nach der anstrengenden Autofahrt über die Gebirgspässe von einem Sattgrünen, 30 Grad feuchten Dschungel empfangen. 

Ob das besser ist als unsere Winter möge jeder für sich selbst entscheiden. Es ist hier so feucht, dass hier die Zinkbleche auf den Dächern in kürzester Zeit wieder zerfallen, Mauerwerk und Betonwände saugen sich voll Wasser und zerfallen in einer Geschwindigkeit bei der man zuschauen kann. Es regnet und regnet. Und wenn es nicht regnet wartet man schon auf den nächsten Regen.  

Was wollen wir im Chocó? Hier gibt es Flußsysteme welche nicht so häufig von Aquarianer aufgesucht werden. Folgende drei Große Systeme sind unser Ziel; Rio Atrato, Rio San Juan und der Rio Baudó. Diese drei Flußsysteme liegen hier dicht beieinander. Das ist ein Vorteil, weil man nur kurze Strecken zurücklegen muss. Leider ist die politische Lage hier im Land noch nicht so wie man es sich mit einem Friedensvertrag vorstellen würde. Gerade in den Chocó ziehen sich Guerillas-Verbände zurück um sich zu sortieren, zu stärken. Auch sind die Paramilitärs hier vertreten, sie stehen politisch auf keiner Seite, sind aber für Geld von beiden Lagern anzuheuern. Diese Gefährlich Lage hat uns bei Istmina, bzw. bei Tado, gezwungen die Route abzubrechen und wieder in etwas sichere Randgebiete auszuweichen. So sind leider Wichtige Ziele nicht erreicht. An den Rio Baudó war überhaupt kein rankommen und den San Juan haben wir gesehen und überquert, allerdings waren wir bereits auf der „Flucht“.

Aber der Rio Atrato mit einigen traumhafte Zuflüssen hat uns etwas Entschädigt. So haben wir Gelegenheit uns einige Tage am Rio Ichó und am Rio Tutunendo zu tummeln.

Traumhafte Biotope. Die Flüsse erinnern mich sehr an Flüsse aus Mittelamerika. Sie sind relativ schnell fließend. Der Bodengrund besteht hauptsächlich aus Kies und Kiesel. Ab und an auch mit sandigen Bereichen. An den Ufern oder in kleineren Nebenbächen gibt es reichlich Holzeinlagerungen. Das Wasser war zu dieser Zeit klar. Der Wasserstand variierte sehr, so kann das Wasser am nächsten Tag um 20 -30 cm gesunken oder auch gestiegen sein. Dies erschwert uns ausgesuchte Biotope am nächsten Tag wieder zu finden. Mit langen schmalen Holzbooten und einem Außenborder geht es rasch Flußauf. Bei Untiefen steigen wir aus und gehen zu Fuß weiter bis wieder genug Wasser unter dem Boot ist.

Unter Wasser können wir „Geophagus“ pelligini dabei beobachten, wie sie sich in den etwas sandigen Bereichen aufhalten und den Bodengrund auf typische Art durchkauen. Andinoacara biseriatus kommen hier vor, und das tun sie nur hier. Als weitere Vertreter der Andinoacara stößt man hier auf A. cf. latifrons. Sein Status ist wissenschaftlich noch ungeklärt, ist aber absolut mit dem A. latifrons zu vergleichen. Mesoheros atromaculatus hat hier seine Verbreitung und wird weiter südlich von M. gephyrus abgelöst. Mit einem Vertreter aus der Kronoheros-Verwandschaft haben wir den fünften und letzten Cichliden welche hier zu Hause sind.

Aber zahllose Fische weitere Familien kommen hier natürlich auch vor. Ein großer Salmler, die Einwohner nennen ihn „Bocachico“, dient als Hauptnahrungsmittel. Diese gehen in großen Schwärmen ins Netz. Aber auch unzählige kleinere Salmler und Welse fangen wir. Vertreter der Gattung Ancistrus oder Chaetostoma, aber auch verschiedenen Störwelse und Hexenwelse gehen ins Netz.

Der Besuch in diesem Gebiet bleibt unvergesslich. Nicht zuletzt wegen dem erlebten, aber auch wegen dem was wir leider nicht zu sehen bekommen haben. Also ein lachendes und ein weinendes Auge, wie man so schön sagt.

Michael Pilack / 2020

Chocó Unterwasser

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