Amatitlan-See, Guatemala

Pazifikseite Guatemalas
(2011)

Michael Pilack

In der kleinen Stadt Escuintla beziehen wir Quartier. Von hier aus werden wir uns mehrere Tage auf den Weg machen und einige in den Pazifik fließenden Flüsse Guatemalas zu besuchen. Im Gegensatz zu der Atlantikseite zeigt sich die Pazifikseite viel Grüner. Es regnet hier auch während der Trockenzeit öfters. Wohl auch ein Grund weshalb es hier Bananenplantagen und Zuckerrohrplantagen gibt wohin das Auge blickt. Zu nächst machen wir uns auf den Weg Richtung El Salvador. Bei Brito treffen wir auf den kleinen Fluß Rio Michatoya. Hier stoßen wir neben zahlreichenden Salmlern und Lebendgebärenden leider nur auf Amatitlania nigrofasciata. Bereits ein kleines Stückchen weiter kommen wir an den Rio Maria Linda. Auf Grund ihres relativ kurzen Weges zum Pazifik fließen die flachen Flüsse sehr stark. Unser Zugnetz hat leider zu kleine Maschen. Dies macht ein Ziehen durch das Wasser unmöglich. Brutpflegende Tiere sind in diesen Flüssen, jedenfalls zu unseren Zeitpunkt, sehr selten. Hier und da mal ein A. nigrofasciata Paar. Von A. trimaculatus keine Spur. Bei einem weiteren gescheiterten Versuch mit dem Zugnetz zappelte endlich ein ca. 5 cm großer A. trimaculatus im Netz. Unser erster Kontakt mit den Trimac. Leider ist das Tier für einen Weitertransport zu groß und auch zu beschädigt. Mehr Erfolg haben wir mit dem großen Handkescher. Mit diesem wird die spärliche Ufervegetation „abgefischt“. Nach zwei oder drei Stunden und sehr viel Schweiß zählen wir stolze vier A. trimaculatus von 2-3 cm. Natürlich werden diese erstmal eingetütet. Die Weiterfahrt in Richtung El Salvador wird abrupt bei Rio Los Esclavos beendet. Jemand hat die Brücke „gestohlen“. Nach einen kleinen aber erfolglosen Abstecher in den traumhaft schönen Rio Los Escalvos zwingt und die Zeit zur Rückkehr nach Escuintla. Für die nächsten Tage beschließen wir es in Richtung Mexico zu versuchen. Zunächst brechen wir auf in Richtung Cerro Colorado. Hier, in mitten unendlicher Zuckerrohrfelder folgen wir ein Tipp wo es schöne A. trimaculatus geben soll. Außer reichlich Bewässerungsgräben, die alle samt Fischlos sind, finden wir keine „Lagune“ in der es nur so von den schönsten Amphilophus trimaculatus wimmeln soll. Etwas gestresst verlassen wir die Plantagen. Eigentlich zwingt uns die Zeit zur Rückfahrt. Aber der Rio Coyolate ist nicht weit und etwas Belohnung haben wir uns nun verdient.

Der Rio Coyolate ist mal wieder ein typischer Pazifikzufluß. Er ist in der Mitte vielleicht gerade 60-70 cm tief. Aber seine starke Strömung macht es unmöglich den ca. 30 bis 50 Meter breiten Fluss zu durchlaufen. Die Bewohner der Gegend haben sich hier eine etwas abenteuerlich anmutende Brücke gebaut. Diese ist so schmal das man warten muss um den Gegenverkehr durch zu lassen. Der Fluss selber ist sehr warm. Mit 29 °C bietet er sich dennoch als Erfrischung an. Die Lufttemperatur liegt heute bei gut 38 °C. Der Bodengrund besteht im Fluss aus schwarzem Sand. Die gut bewachsenen Ufer sind zum Teil etwas schlammig. Die zahlreichen ins Wasser wachsenden Pflanzen bieten einer Vielzahl von Tieren gute Deckung. Es sieht sehr vielversprechend aus. Natürlich ist es sehr anstrengend bei solchen Temperaturen die Ufer mit dem großen Kescher zu „befischen“. Wir wechseln uns regelmäßig ab. Während der eine schweißtreibend arbeitet liegen die anderen im Wasser und lassen sich das kalte Cerveza schmecken. Die Geduld zahlt sich aus. Das Netz muss direkt in einen Schwarm Jungfische gestoßen sein. Mit einem Hieb befinden sich ca. 15 kleine A. trimaculatus im Netz. Endlich ein Erfolg. Bereits die nächsten versuche schlagen wieder fehl. Ein Schnorcheln ist in diesen Fluss nicht möglich. Es gibt keine Sicht und man kann sich nirgends fest halten. Das Zugnetz hat zu kleine Maschen. Nur das „Stichelnetz“ verspricht etwas Erfolg. Es gestaltet sich Mühsam mit den A. trimaculatus. Aber 15 rund 1 cm kleine Tiere würden ja schon reichen! Ob es sich tatsächlich um Amphilophus trimaculatus handelt wird sich erst später wirklich heraus stellen.  

Neben Amphilophus trimaculatus sind wir noch auf der Suche nach einem Vieja von der Pazifikseite. Vieja guttulata ist hier zu Hause. Jedoch bei unseren Besuch gelingt es uns nicht einmal auch nur einen einzigen Vieja zu sehen, zu fangen oder sonst irgendwas. Schade.

An weiteren Tagen sehen wir weiter Zuflüsse. An einigen ist es unmöglich irgendwie an das Wasser zu kommen. An anderen wollen wir nicht ins Wasser. So zum Beispiel bei dem Rio Siuacan, einen Zufluss zu Rio Nahualate. Zunächst befinden wir uns auf der „falschen“ Seite des Flusses. Hier ist das Ufer zu steil und zu hoch. Man kommt nicht an das Wasser. Der Fluss selbst sieht aber sehr schön aus. So das wir nicht gleich aufgeben. Wir versuchen dem Flussverlauf mit dem Auto zu folgen. Irgendwann kommen wir zu einer Siedlung bei der eine Brücke über den Fluss führt. Aber noch auf der „falschen“ Seite sehen wir dass die Ortschaft das Ufer kurzer Hand zu eine stinkenden Müllhalde umfunktioniert hat. Es stinkt und qualmt. Einige Frauen waschen ihre Wäsche im Fluss. Diese Bild kennen wir aus allen Flüssen. Nur ist es hier kein schönes Bild. Am Ufer brenn und qualmt der Müll. Aber wir wollen Nichts unversucht lassen. Wir fahren über die Brücke um irgendwie von dort aus an den Fluss zu gelangen. Nach einer kurzen Irrfahrt durch den sehr verwickelten Ort kommen wir an die Zufahrt zu der Mülldeponie. Aber Stopp. Da wollen wir dann doch nicht hin. Auf der Deponie selber herrscht mit Waffengewalt geordnetes Chaos. Im brennenden Müll wird nach brauchbaren Sachen gesucht. Mit Gewehren bewaffnete Posten kontrollieren kommenden und gehenden Menschen. Nun auch solche Bilder gehören zu Mittelamerika. Hier ist leider Schluss für uns.


Aber ein schönes Biotop haben wir dann doch noch gefunden. Bei der kleinen Ortschaft San Juan La Noria haben wir Zugang zu einem kleinen Fluss welcher einige Kilometer weiter unten in den Rio Madre Vieja mündet. Ein kleiner Seitenarm von diesem Fluss führt in eine kleine Bucht. In Mitten von großen Bambus ein kleines Biotop. Hier verbringen wir einige Zeit um zu sehen was es hier an Cichliden gibt. Vielleicht der gesuchte Vieja guttulata? Die Uferränder sind stark bewachsen. Es macht Spaß hier nach Fischen zu suchen. Aber leider bleibt ein großer Erfolg aus. Wir fangen sehr viele Amatitlania nigrofasciata, einige wenige A. trimaculatus und, was mich sehr erstaunen lässt, Parachromis managuensis! So geht unser Besuch von der Pazifikseite Guatemalas leider viel zu schnell zu Ende. Einen Teilerfolg können wir melden. Amphilophus trimaculatus aus dem Rio Coyolate schwimmt nun in Deutschland. Der gesuchte Vieja bleibt aus und gibt uns Gelegenheit für einen weiteren Versuch.

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