Matias Romero                     
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Matias Romero, ein beliebtes Ausflugsziel reisender Aquarianer


Mexiko ist groß. Aus Sicht eines Aquarianers gibt es in Mexiko eine Vielzahl von Anlaufstellen. Jede Einzelne ist eine Reise wert.
Jede Einzelne beheimatet ganz exklusive Cichliden. Eine davon sind die Flüße um die Ortschaft Matias Romero.
Matias Romero liegt ganz im Süden des Bundesstaates Oaxaca. Geografisch liegt es an der engsten Stelle des Landes. Die Atlantikseite wird vom Isthmus Tehuantepec vom Pazifik getrennt. Alleine diese Lage machte das Gebiet bereits zu Zeiten der spanischen Besetzung interessant. Immer wieder war dort ein Kanal im Gespräch welcher mit Schiffen befahrbar die Pazifikseite mit der Atlantikseite verbinden sollte. Mehrfach geplant und Vermessen ist dieses Projekt allerdings nie verwirklicht worden.
In diesem Gebiet entspringen einige zahlreiche Flüße welche als oberer Coatzacoalcos-Einzug bezeichnet, in den Rio Coatzacoalcos münden. Aus „Cichlidensicht“ leben in diesen schönen mittleren bis kleinen Flüssen einige Buntbarsche welche man auch anderorts findet. Aber es gibt hier auch Cichliden welche nur hier ihr Verbreitungsgebiet finden. Dies ist natürlich gerade für Freunde mittelamerikanischer Cichliden ein riesiges Erlebnis. Hat man sich Matias Romero zum Ziel gesetzt stehen insgesamt 8 Cichliden auf der Liste. Zahlreiche Flüße mit bekannten und wohlklingenden Namen werden auf dem Plan stehen. Die meisten Flüße sind alle samt gut über asphaltierte Straßen zu erreichen. Zugänge zu den Flüssen sind über Balneario, am Fluss angelegte Badestellen, oder in Bereich von Brücken möglich. Mittlerweile stehen heute fast an jeder Brücke Schilder dass hier das Fische fangen verboten ist. Dies ist natürlich zunächst einmal positiv zu bewerten. Hat man es doch in vielen Gebieten geschafft das sich die dort lebenden Anwohner wieder auf die einheimischen Fischarten besinnen und durch Verbote diese zu schützen. Auf der anderen Seite ist es für Aquarianer natürlich dadurch fast unmöglich unbemerkt in den Fluß zu gehen und mit Kescher „bewaffnet“ jagt auf Jungfische zu machen. Man hat natürlich auch kein gutes Gefühl dabei etwas „Verbotenes“ zu tun. Manchmal kommt man dann mit den Anwohnern ins Gespräch und erklärt was man hier macht. Dies wird schmunzelnd zur Kenntnis genommen. Aber manchmal bleibt einem nichts anderes übrig als den Anweisungen Folge zu leisten und den Fluß Ergebnislos zu verlassen. Einen Versuch aber ist es immer wert.
Tauchen wir ein in den oberen Coatzacoalcos-Einzug


  • Trichromis salvini; Diesen relativ kleinen, aber nicht zu unterschätzenden Teufel findet man im gesamten Gebiet Südmexikos. Vom Grijalva bis nach Guatemala. Dadurch ist sein Erscheinungsbild recht variabel. Die im oberen Coatzacoalcos vorkommende Variante ist nicht ganz so hochrückig und der Rotanteil ist im Vergleich zu anderen Lokalitäten ehr als dezent zu bezeichnen, jedenfalls bei den Männchen. Auch spart diese Variante ehr mit den blauen Glanzflecken. Sie zeichnet ein schönes Gelb mit schwarz abgesetzten Bändern aus. Man findet diese Art eigentlich in jedem Gewässer, bevorzugt hält sie sich aber in ruhigeren Bereichen auf. Halbwüchsige Tiere streifen gerne in kleinen Gruppen durch die Uferbereiche. Größere Tiere sieht man meist alleine. Bei brutpflegenden Paaren zeigt das Männchen eine größere Fluchtdistanz während das Weibchen direkt bei den Jungfischen bleibt und versucht diese zusammen zu halten. Trichromis salvini übernimmt in diesem Gebiet die Aufgabe des Räubers. Es gibt im oberen Coatzacoalcos keine Parachromis, Petenia oder Chiapaheros, auch keine Rocio sind hier zu finden welche sonst typisch für diese Rolle wären. 
  • Maskaheros regani ; Die neue Gattung Maskaheros beinhaltet lediglich zwei Arten. Maskaheros regani ist eine davon und sie kommt nur in diesem Einzugsgebiet vor. Im Fluß selbst begegnet man meistens nur Jungtiere. Größere Tiere bekommt man kaum zu sehen. Zu schnell suchen sie das Weite um sich in Sicherheit zu bringen. Hat man Glück und trifft auf ein brutpflegendes Paar bekommt man die Gelegenheit auch mal größere Tiere zu beobachten. Allerding zeigen Tiere während der Brutpflege nicht viel von ihrer Farbenbracht. Denn während der Aufzucht ihrer Jungen zeigen sie sich ehr blas mit einigen schwarzen Zonen. Im Aquarium aber kann man sie in voller Schönheit bestaunen. Es sind ehr scheue Fische was man bei einer Vergesellschaftung beachten muss. Mit einer Größe der Männchen von bis zu 35 cm bietet man diesen Cichliden eine Grundfläche von mindestens 1,80 Meter x 0,60 Meter. Aus einer Gruppe von Jungfischen heraus bilden sich nicht selten Paare welche ein Leben lang zusammen stehen. Im Aquarium pflanzen sie sich leider nicht allzu oft fort, ein Grund warum man diese schöne Art recht selten Angeboten bekommt. 
  • Thorichthys callolepis; Die Gruppe der Thorichthys ist mit 2 Arten im oberen Coatzacoalcos vertreten. Thorichthys callolepis hat hier sein recht kleines Verbreitungsgebiet. Er ist in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. Auffälligstes Merkmal ist der fehlende Kiemendeckelfleck. Jede weitere Art weist diesen auf. Einzig bei Th. callolepis fehl dieser. Auch in Form und Farbe ist dieser ehr etwas untypisch. In der Aquaristik erweist sich dieser kleine Juwel ehr als etwas anfällig für Stress mit seinen entsprechenden Folgeerscheinungen wie Darmentzündungen. Dies macht es der Art natürlich schwierig sich zu etablieren was natürlich Angesichts der Schönheit und Seltenheit schade ist. Ein Artaquarium in Gesellschaft von einigen Lebendgebärenden ist die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Pflege, unterstützt durch eine abwechslungsreiche, nicht zu eiweißhaltige Nahrung, hat man auch auf Dauer viel Freunde. Auf Grund des doch recht begrenzten Verbreitungsgebietes und der immer noch vielen Orts fortschreitenden Umweltverschmutzung, besteht vielleicht aktuell noch keine Gefahr für ein Verschwinden dieser Art. Aber die Gefahr besteht und muss uns bewusst sein. Dies gilt natürlich auch für all die anderen Arten welche nur hier zu finden sind.
  • Thorichthys panchovillai ; Bei der zweiten hier zu findenden Thorichthys-Art handelt es sich um eine erst kürzlich wissenschaftlich beschriebene Art. Bis dahin als Thorichthys spec. Malatengo oder spec. Coatzacoalcos bezeichnet, weil diese Art zuerst im Rio Malatengo (oberer Coatzacoalcos-Einzug) nachgewiesen wurde. Sie kommt aber auch in den anderen Flüßen vor. Ihr Erscheinungsbild erinnert zuerst an Thorichthys maculipinnis und ist in dieser Gruppe angesiedelt. Wie alle Thorichthys-Arten zeigt auch Th. panchovillai ein auffällig gestreiftes Brutpflegekleid. In Normalfärbung zeigen sie eine schöne rote Farbe am Kopf und Bauch und ihr Körper ist mit blauen Glanzflecken geschmückt. Weibchen zeigen deutlich einen schwarzen Fleck in der Rückenflossen und natürlich hat Th. panchovillai die Kiemenflecke. Dies ist unter Wasser ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu seinen Mitbewohner Th. callolepis. Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Pflege im Aquarium ist eigentlich identisch der Voraussetzung von Thorichthys collolepis. Diese Regeln gelten allgemein für viele Thorichthys-Arten. Vielleicht nicht ganz so streng wie bei Th. callolepis. Benannt wurde diese Art übrigens nach einem großen General aus der mexikanischen Revolution, Pancho Villa, welcher in dieser Gegend zu Hause gewesen sein muss. 
  • Vieja zonata (Vieja spec. Coatzacoalcos) ; Einen Vertreter der Gattung Vieja ist hier natürlich auch zu finden. Für eine recht lange Zeit führte man diesen als Vieja spec. Coatzacoalcos. Neuerer Erkenntnisse lassen aber darauf schließen dass es sich hierbei um Vieja zonata handeln könnte. Eine Ansicht welche ich auch vertrete, die aber offiziell wissenschaftlich erst noch bestätigt werden muss. Das Besondere an dieser recht groß werdenden Art, sie sieht in fast jedem Fluß etwas anders aus. Keine großen Unterschiede, aber ausreichend um hier, wenn möglich, den Standort zu nennen. Aber egal ob aus dem Rio Junapan oder dem Rio Grande, diese schöne Art erreicht eine Endgröße von deutlich über 30 cm. Entsprechend dimensioniert ist ein Aquarium zu bieten. Bereits Herr Buller stellte diese Art zwischen 1889 – 1893 im Rio Sarabia fest( siehe Paraneetroplus bulleri) und wurde als Cichlasoma guttulatum gelistet, was wiederum eine Verwechslung mit Vieja zonata ist. 

Hier wird der Rio Almoloya zum Rio Ajal und im Anschluß zum Rio Grande

Somit komme ich zu einer weiteren Besonderheit an Matias Romero. Der Isthmus von Tehuantepc, welcher hier die Wasserscheide zwischen Atlantik und Pazifik bildet, ist hier in wenigen Autominuten überwunden. So hat man die Möglichkeit Flüße aufzusuchen welche in den Pazifik fließen. Eigentlich ist man immer davon ausgegangen hier dann eine andere Fischfauna zu finden. Dies hat sich nun mit der Tatsache, dass Vieja zonata auch im oberen Coatzacoalcos zu finden ist, geändert. Optisch unterscheidet sich ein Vieja zonata von der Pazifikseite von denen auf der Atlantikseite dennoch. Aber auch vom Verhalten her habe ich Unterschiede feststellen können. Tiere von der Pazifikseite haben sich bei mir als wesentlich aggressiver heraus gestellt. Aggression innerartig aber auch andern Mitbewohnern gegenüber. Diese Tatsache ist recht bedauerlich, da die Pazifik-Variante meiner Meinung nach etwas attraktiver ist.
Weiter findet man in den Pazifikzuflüssen folgende Cichliden:

  • Astatheros macracanthus ; Ein Bewohner der Pazifikseite vom Rio Tehuantepec in Mexiko bis hinunter nach, na sagen wir mal, El Salvador. A. macracanthus ist wahrlich kein Farbwunder, aber durchaus eine interessante Variante die es sich zu pflegen lohnt. Mit einer Endgröße von gut 30 cm möchte ich ihn als einen mittelgroßen Cichliden aus Mittelamerika bezeichnen. Dennoch ist die Grundfläche des Aquariums mit mind. 1,80 Meter x 0,60 Meter zu bemessen. Lange Zeit schwimmt A. macracanthus recht unscheinbar im Aquarium mit. Das ändert sich mit Eintritt der Geschlechtsreife. Aus den grauen bis schwarzen Tieren mit einem leichten blauen Schimmer werden kontrastreich Schwarz und Weiß gefärbte Tiere die mit heftiger Balz eine baldige Eiablage ankündigen. Nach drei bis vier Tagen schlüpfen die Larven und nach weiteren vier Tagen schwimmen die Jungfische auf. Frisch geschlüpfte Artemia bieten sich als Starterfutter an und wird sehr gut angenommen. Reisende Aquarianer brachten einmal Tiere mit nach Hause welche sich später als Naturhybriden aus Vieja zonata und Astatheros macracanthus raus stellten.  
  • Amphilophus trimaculatus ; Mit Amphilophus trimaculatus verhält es sich ganz ähnlich wie mit Vieja zonata. Das Vorkommen dieser Art war eigentlich nur auf die pazifische Seite beschränkt. Allerdings gibt es mittlerweile Meldungen die ein Vorkommen auch im oberen Coatzacoalcos Gebiet, also Atlantikseite, belegen. Mir selbst ist diese Art dort noch nicht vor die Brille geschwommen, aber es gibt keinen Grund an den Aussagen zu zweifeln. Amphilophus trimaculatus ist aquaristisch gesehen ein Schwergewicht. Sowohl ihre Masse selbst, sie können immerhin gut 40 cm groß werden, als auch ihr Verhalten setzen entsprechende Aquarien aber auch Erfahrung voraus. Ich verwende den Ausdruck „aggressiv“ recht ungern. Vielmehr möchte ich dieses Verhalten als einen Hinweis auf andere Ansprüche deuten. Ansprüche an Platz und Gesellschaft. Die Pflege im Aquarium ist also nicht unmöglich. Nein, bei entsprechender Berücksichtigung hat man mit A. trimaculatus sogar einen Pflegling mit imposanten Aussehen, tollen Farben und Verhalten. Amphilophus trimaculatus bildet neben ein oder zwei weiteren Buntbarscharten den Grundstein der im asiatischen Raum sehr beliebten Flowerhorn-Cichliden.  
Matias Romero,
oftmals nur ein „Drei-Tage-Stop“ einer Mexikoreise. Wegen der kurzen Zeit werden auch hauptsächlich nur die bekannten Stationen angefahren. Rio Almoloya, Rio Junapan, Rio Sarabia, Rio El Corte, um nur einige zu nennen. Aber ich bin der Meinung hier auch mal eine Woche oder länger verbringen zu können. Andere, neue Strecken ausprobieren, weiter Flüße entdecken. Es gibt mit Sicherheit noch viele Stellen die nicht aufgesucht worden. Aber geht uns das nicht mit jedem Ort in Mexiko so?
Literatur:
Regan, Charles Tate. 1905. "A revision of the fishes of the American cichlid genus Cichlosoma and of the allied genera". Annals and Magazine of Natural History. (Ser. 7) vol. 16; pp 60-77; 225-243; 316-340; 433-445
del Moral Flores, Luis Fernando & E. López-Segovia & T. Hernández-Arellano. 2017. "Descripción de Thorichthys panchovillai sp. n., una nueva especie de cíclido (Actinopterygii: Cichlidae) de la cuenca del Río Coatzacoalcos, México". Revista peruana de biología. v. 24(n. 1), pp. 3-10

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