bootstrap responsive templates

Wirklich nur eine graue Maus?

Michael Pilack
Amphilophus hogaboomorum
( Carr & Giovannoli, 1950 )
Das Vorkommensgebiet von Amphilophus hogaboomorum beschränkt sich auf den unteren Teil des Rio Choluteca- Systems. Der Rio Choluteca mündet im südlichen Honduras in den Pazifik. Das Mündungsgebiet des Flusses ist breit und die Strömung entsprechend schwächer als im oberen Flussverlauf durch das Gebirge. Im strömungsreicheren oberen Flussverlauf konnte A. hogaboomorum nicht nachgewiesen werden.
Bei A. hogaboomorum handelt es sich um einen Cichliden, über den man in der Literatur nur wenig finden kann. Mit Abbildungen ist es noch schlechter. Ich konnte nur Bilder von Halbwüchsigen Exemplaren in der Literatur finden. Diese Bilder wurden von Uwe Werner gemacht. Weiter fand ich Abbildungen von Erwin Schraml die einen A. citrinellus darstellen, aber meinem A. hogaboomorum täuschend ähnlich sehen. Schon ergibt sich ein Problem. Die verwandschaftliche Beziehung von A. hogaboomorum zu anderen Cichliden.
Ich kann und möchte das hier nicht wissenschaftlich erläutern. Aber aus der Sicht eines Aquarianers heraus sind sie wohl sehr nahe mit A. citrinellus verwandt.
Die in der Trockenzeit relativ extremen Wasserwerte mit einer Härte von 5 ° dGH , pH von 8,5 und Wassertemperaturen von 30 – 34 °C zeigen wie anpassungsfähig A. hogaboomorum ist. Ich pflege sie bei mittelharten Wasser und einer Temperatur von 23 – 27 ° C.
Amphilophus hogaboomorum ist für „Normalaquarianer“ ein typischer Grosscichlide. Er gräbt den Bodengrund um und vernichtet so nicht eingetopfte Pflanzen. Er ist aggressiv und schreckt auch vor einem „Mord“ nicht zurück. Ich sehe das aber so:
Amphilophus hogaboomorum ist ein Grosscichlide der mit einer einmal eingegangenen Paarbildung, die ein leben lang halten kann, ein ausgewähltes Revier erfolgreich gegen andere Buntbarsche verteidigen kann. Wie bei alle Cichliden ist der Beschützerinstinkt seinen Jungen gegenüber sehr gut ausgebildet. Auch das Wühlen ist Cichlidentypisch.
Wenn Junge gepflegt werden ist es immer ein Abenteuer das Aquarium sauber zu machen. Ich wurde bereits öfters vom Männchen in die Hand gebissen und musste feststellen, das der Schrecken genauso gross ist wie der Schmerz.
A. hogaboomorum ist kein Farbwunder. Eigentlich könnte man ihn auch als graue Maus bezeichnen. Auf weissgrauen Untergrund befinden sich je nach Stimmung mehr oder weniger stark ausgeprägte schwarze Längsstreifen. Sieben Stück an der Zahl. Auf der Mitte des Körpers sind sie am intensivsten ausgebildet und wirken zum Bauch und zum Rücken hin immer verwaschener. Der Schwanzwurzelfleck ist immer da.
Mit zunehmenden Alter aber färbt sich die Rücken, -und Kopfpartie sowie der Kehlbereich gelblich braun. Und irgendwann leuchtet der Kehlen, - und Brustbereich sogar richtig rosa bis rot. Wie bei den meisten Cichliden zeigt auch A. hogaboomorum seine wahre Schönheit erst im Alter.
Ab einer Grösse von ca. 10 cm lassen sich die Geschlechter relativ sicher Unterscheiden. Die Männchen fangen sehr früh an einen Stirnbuckel zu entwickeln. Weiterhin wachsen Männchen schneller. Farblich sind Männchen und Weibchen gleich.
Durch sein starkes Durchsetzungsvermögen hielt ich das Pärchen relativ alleine in einem 1,50 m langen Aquarium. So hatten sie die Gelegenheit häufig abzulaichen. Häufig ist noch zu milde ausgedrückt. Sie laichten ständig ab. Ich konnte mich kaum retten vor Nachwuchs. Ich hatte zwar immer reichlich Futter für meine anderen Becken, aber irgendwann entwickelte sich die Ablaicherrei zum Stress für das Paar. Jedenfalls war ich dieser Meinung, denn äusserlich konnte man nichts erkennen. Dennoch beschloss ich das alles ein wenig zu reduzieren. Ich senkte die Wassertemperatur. Es half auch, aber nicht viel. Sie laichten dennoch oft ab, wenn auch in grösseren Abständen. Also was tun?  
Ich erhöhte den Fischbesatz. Ich füllte das Becken mit 8 halbwüchsigen Vieja heterospila auf. Sie wurden nicht als direkte Konkurrenz angesehen und schnell im Becken geduldet. Beim verjagen werden sie nicht gebissen, sondern nur angestupst. Da V. heterospila eine langsam wachsende Art ist wird diese Konstellation wohl auch noch eine ganze Zeit funktionieren. Ich konnte sogar schon bei meinen V. heterospila erstes Balzverhalten beobachten. Naja bei eine Länge von ca. 15 cm geht das nun mal eben los.
Aber nun wieder zurück zu A. hogaboomorum. Hat sich ein Pärchen entschieden abzulaichen, wird ein vorher gewähltes, geputztes und eben auch von Kies und Steinen befreites Versteck benutzt. Sie laichen bei mir immer sehr versteckt und immer in einer Art Höhle oder schräg angelegte Steinplatte. Aus ca. 400 – 600 Eiern schlüpfen nach 3 Tagen die Larven. In den nächsten 4 Tagen können die kleinen öfters mal umgebettet werden. Dieses Verhalten zeigen sie aber nicht bei jeder Nachzucht. Dann schliesslich schwimmen sie frei.
Ich vergass zu erwähnen, das sich das Weibchen bereits während der Balz umfärbt. Die 7 Längsstreifen und der Bauch werden intensiv schwarz. Die schmalen bereiche zwischen den Längsstreifen färben sich zu einem sauberen Weiss.
Schwimmt nun eine Wolke kleiner Hogaboomorums im Becken rum, ist das der Moment in dem sich auch das Männchen umfärbt. Es bietet das selbe Bild wie bei dem Weibchen.
Die Jungen sind sehr klein, wachsen aber rasch heran. Wenn sich der Jungfischschwarm anfängt aufzulösen ( Futterfische ) verlieren die Eltern bald das Interesse und er möchte für den nächsten Nachwuchs sorgen.
Dies ist einer der kritischsten Momente für das Weibchen. Er folgt ihr auf Schritt und Tritt und ich glaube wenn man nicht für genügend Versteckmöglichkeiten sorgt, würde das Drama tödlich enden. Bereits nach einigen Tagen normalisiert sich das Beckenleben wieder. Seit dem höheren Besatz laichen sie auch nur noch 2 bis 3 mal im Jahr ab. Das genügt völlig. Jeder Liebhaber mittelamerikanischer Cichliden weis ja was für ein Problem es ist Jungfische unter die Leute zu mischen.
Aber für mich gehört nun auch mal die Aufzucht zur Pflege von Cichliden. Ausserdem ermöglicht sie ein gezielteres Kennenlernen der Pfleglinge.
Wie eigentlich bei jedem Fisch, keiner sollte einfach nur gehalten werden, bedarf es auch bei A. hogaboomorum ein wenig Fingerspitzengefühl und Ausdauer um den Fisch richtig kennen zu lernen. Bei guter Pflege hat man auch viel Freude an ihm.
Bei der Fütterung stellt er keine Ansprüche. Es wird alles gefressen und auch in grossen Mengen. Ich glaube wenn man nicht aufpasst kann man diese Tiere schnell überfressen und sie werden fett und unfruchtbar, wie man es schon häufig bei Vieja- Arten gehört hat.
Regelmässiger Wasserwechsel ist selbstverständlich. Aber auch einmal „vergessener“ Wasserwechsel z.B. zur Zeit der Brutpflege wird nicht krumm genommen und spart Heftpflaster.
Mein Männchen hat nun eine Länge von gut 25 cm erreicht und ich glaube er wird an Länge nichts mehr zulegen. Was weiter zulegt ist das wuchtige kräftige Aussehen und der Stirnbuckel. Das Weibchen misst ca. 21 cm.
A. hogaboomorum ist ein Fisch der auf Grund seiner „Farblosigkeit“ sich wohl nicht richtig in deutschen Aquarien etablieren wird, aber er ist es wert aufzupassen, dass er nicht ganz aus deutschen Aquarien verschwinden wird.


Literatur:

Mayland (1995) Cichliden, Landbuch-Verlag Hannover
Stawikowski/Werner(1985) Die Buntbarsche der Neuen Welt,
Stawikowski/Werner (1998) Die Buntbarsche Amerikas B.1
   


mpi-cichlids