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Vieja bifasciata

Michael Pilack, 2010


Nun man meint einen alten Bekannten vor sich zu haben ist aber jedes Mal auf ein Neues überrascht wie vielseitig dieser wunderschöne Cichlide in Form und vor allem in Farbe ist.
Vieja bifasciata hat sein Verbreitungsgebiet in Südmexiko. Man findet ihn dort im Grijalva-Einzug wie dem Rio de la Sierra, weiter Südlich im Rio Bascan und Rio Notutun, im Rio Usumacinta und im Rio San Pedro bis nach Guatemala. Der Artname bifasciata bedeutet "zweigestreift" und bezieht sich auf den schwarzen Längsstreifen und den Typischen zweiten Streifen darüber. Dieser liegt mittig zwischen der Rückenflosse und dem Längsstreifen und ist breiter und dichter als der Längsstreifen. Bei manchen Varianten ist er stets deutlich zu erkennen, bei anderen handelt es sich oft auch nur um eine breite Wolke. Aber er ist ein sichereres Unterscheidungsmerkmal zu den nahen Verwanden oder, was viel wichtiger ist, zu den immer häufiger in unseren Aquarien anzutreffenden Kreuzungen.
In der deutschen Literatur beginnt die Existenz dieser Art erst ab den siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Abgesehen von der wissenschaftlichen Beschreibung 1864 von Steindachner. Er beschreibt Vieja bifasciata in seiner Arbeit "Chromiden Mejicos" als Heros bifasciatus und bildet ein ca. 20 cm langes Exemplar als Zeichnung ab. Günther überstellte ihn die von Swaison 1839 aufgestellte Gattung Cichlasoma. Regan, der 1906-1908 die Gattung Cichlasoma in Sektionen aufteilte, stufte V. bifasciata in die Sektion Theraps ein. So wurde Vieja bifasciata, wie viele andere mittelamerikanische Cichliden in der Gattung Cichlasoma gesammelt. 1969 wurde die Gattung Vieja von Fernandez-Yepez aufgestellt Erst als Kullander 1983 die Gattung Cichlasoma auf einige südamerikanische Cichliden beschränkte bekam unser Vieja bifasciata seinen jetzigen Namen. Sicher kann und wird sich auch daran vielleicht noch mal was ändern.
In meinen deutschsprachigen Büchern finde ich die ersten Hinweise auf Vieja bifasciata in dem Buche von Wolfgang Staeck "CICHLIDEN" Band III. Dort, allerdings als Cichlasoma melanurum deklariert, erfährt man, dass Thomas Schulz die Tiere erstmals nach Deutschland brachte. Weitere Recherchen ergaben, dass es Mitte/Ende der 70ger Jahre gewesen sein muss. Seitdem hat er sich eigentlich in Deutschland etabliert. Weitere reisende Aquarianer brachten immer mal wieder weitere Varianten mit nach Deutschland. Werner und Stawikowski, Steack und Linke brachte Tiere in den 80iger nach Deutschland, Buchhauser, Garbe in den 90iger. Auch heute noch werden Vieja bifasciata eingeführt. All den Reisenden verdanken wir heute die Vielfalt. Aber auch unser benachbartes Ausland überraschte immer mal wieder mit neuen Varianten.
Im Grunde sind sie alle gleich. Hochrückige, relativ großwerdende farbenfrohe Cichliden mit den typischen zwei Streifen. Dennoch sind die Varianten untereinander so verschieden. Sie unterscheiden sich von Fanggebiet zu Fanggebiet manchmal so erheblich, dass man sie am liebsten wissenschaftlich trennen möchte.

Die Haltung dieser schönen Cichliden ist in geräumigen Aquarien eine relativ einfache Sache. Sie sind Anspruchslos was die Wasserwerte angeht, tolerant bei der Temperatur und gierige Fresser. Eigentlich von selbstverständlich kommt ein harmonierendes Paar zur Fortpflanzung. Diese drei Sätze würden reichen um die Pflege von V. bifasciata auf den Punkt zu bringen. Lasst es uns aber etwas genauer schauen.
Vieja bifasciata erreicht locker 30 cm und mehr. Dementsprechend geräumig müssen die Aquarien sein. Für eine dauerhafte und erfolgreiche Pflege schlage ich ein Aquarium mit einer Grundfläche von 2,00 m x 0,60 m vor. Wie eigentlich bei allen Cichliden lässt man sich ein Paar aus einer Gruppe Jungfischen finden. Diese Methode hat sich bisher bei allen Cichliden bewährt. Aber auch bei später zusammengeführten Tieren kann es zu einer Paarbildung kommen. Es gibt da weitaus schwieriger Kandidaten. Die Männchen werden größer und bekommen im Alter eine kräftiger ansteigende Stirnpartie. Bei vielen Varianten entwickelt sich ein ansehnlicher Stirnbuckel. Die Weibchen bleiben kleiner und wirken rundlicher/fülliger. Von den Farben her sind eigentlich beide Geschlechter relativ gleich prächtig. Die durchschnittliche Pflegetemperatur liegt bei 25°C. Sie nehmen zwar auch 21°C hin, aber es sollte nicht auf Dauer sein. Bei zu niedriger Temperatur auf Dauer verlieren sie an Farbe und Schwung. Bei höheren Temperaturen, so 28°C, schreiten sie schneller zur Fortpflanzung. 30°C sollte die obere Grenze sein und auch nicht auf Dauer. 32°C und mehr vielleicht mal kurzzeitig zur Behandlung von eventuellen Krankheiten. Ich finde eine Temperatur von 24-25°C aus zwei Gründen gut gewählt. 1. wirken die Tiere bei diesen Temperaturen nicht so gestresst wie bei höheren Werten. Stress, und das ist Bekannt, fördert nur Krankheiten. 2. hält sich die Fortpflanzungsbereitschaft etwas in Grenzen. Die Fortpflanzung hat für uns nämlich auch einen großen Nachteil. Während der Fortpflanzungszeit und der Brutpflege ziehen Vieja bifasciata ein Brutpflegekleid an und dieses ist zwar interessant aber alles andere als Farbenfroh. Die Tiere verblassen. Schwarze Längs,- und Querstreifen durchziehen den Körper welcher sich blass Gelb bis Weiß gefärbt hat. Bei manchen Varianten bekommen die Weibchen auch einen schwarzen Bauch. Wie schon geschrieben kommen sie relativ häufig auf den Gedanken sich Fortzupflanzen. Jedenfalls die meisten. Es handelt sich bei V. bifasciata um Offenbrüter und ich denke hier nicht näher darauf eingehen zu müssen. Die Jungen lassen sich problemlos am Anfang mit frisch geschlüpften Artemia heranziehen. Aber auch bei entkapselten Artemia und /oder Staubfutter funktioniert es problemlos. Später werden sie alles angebotene Futter gerne Fressen. Auf eine regelmäßige Zugabe von Grünfutter muss man achten. Ob in Form von Erbsen und Salat oder als Spirulinaprodukte bleibt dem Pfleger überlassen.

Ich habe bisher drei Varianten von Vieja bifasciata pflegen können.
Vieja bifasciata - Rio Notutun, Vieja bifasciata - Rio Candelaria und Vieja bifasciata - Rio Usumacinta. Wobei es von der Candelaria-Variante 2 Arten zu geben scheint. Zum einen die meine und eine Variante welche ich ehr in Richtung Notutun einstufe.
Alle drei Varianten, obwohl sie doch so unterschiedlich aussehen, unterscheiden sich in der Pflege kaum. Lediglich die Variante aus dem Rio Candelaria erweist sich bei mir leider nicht als sehr Fortpflanzungsfreudig. Dennoch ist mir auch hier die Nachzucht bisher einmal geglückt.
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Rio Notutun

Ich erhielt von dieser Variante eine Gruppe von 6 oder 8 Tieren und lies sich daraus Paare finden. In einem Aquarium mit einer Grundfläche von 2,00 x 0,70m pflegte ich zwei Paare zusammen mit N. ramsdeni und "C" grammodes. Während sie von den anderen Arten weitestgehend unbeachtet blieben schenkten auch sie ihre Beachtung hauptsächlich auf die Artgenossen. Die Variante aus dem Notutun zeichnet sich durch, vor allem im Alter, durch einen großflächig gelben Körper aus. dazu ist der Kopf, - Stirn- und Kehlbereich schön rot gefärbt. Der "zweite Streifen" ist als breiter schwarzer Fleck eigentlich immer sichtbar. Im Gegensatz du dem Längsstreifen der im Alter immer seltener zu sehen ist. 

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Rio Candelaria

Für mich eine der schönsten Varianten. ich habe sie in den Niederlanden gefunden. Hab gar nicht gewusst, dass der Candelaria so nah sein kann. Auch hier wieder eine Gruppe von 6 Tieren. Als Jungfische wirken sie sehr Spitzköpfig und wachsen relativ langsam. Schon sehr früh, mit ca. 10 cm, beginnen sie Farbe zu zeigen. Dann bekommen sie die für diese Variante typischen blauen Glanzstreifen und Flecke. Der "Zweite Streifen" nimmt bei den Tieren aus dem Rio Candelaria eine ziemlich große Fläche auf dem hinteren Teil des Rückens ein und wirkt öfters unterbrochen oder verwaschen. Im Bereich der Kehle und der Brust zeigt sich ein schönes Rot welches sich noch etwas hinter dem Augenbereich ausbreitet und nach hinten hin von den "zweiten Streifen" abgelöst wird. Der Stirnbereich ist von der Grundfarbe Blau und durchzogen von den typischen Glanzflecken und Streifen. Der Rest des Körpers ist wieder gelb bis orange. Dies wird gelegentlich von schwarzen Schuppen oder intensiver orange gefärbten Schuppen unterbrochen. Der kleine schwarze Fleck hinter dem Auge und im Kiemendeckel ist bei dieser Variante stark ausgebildet. Ich halte ein Paar davon auf 3,00 x 0,65 m in Gemeinschaft mit Amphilophus macracanthus, "C." istlanum und"C." octofasciatum. 

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Rio Usumacinta

Auch diese Variante fand ich in den Niederlanden. Irgendwann stolperte ich im Internet über Bilder von einer Variante die mir sofort gefiel. Unsere Nachbarn sind, was Mittelamerika angeht, recht aktiv und gut ausgestattet. Auf dem Bild fiel mir sofort auf, dass sich Männchen und Weibchen schon anhand der Färbung unterscheiden. Dies finde ich sehr ungewöhnlich für V. bifasciata und meine Neugierde wahr geweckt. Sicher kommt der Gedanke einer Kreuzung auf aber es sollen Tiere aus dem Gebiet des Rio Usumacinta sein. Etwas vorsichtig aber dennoch Bestimmt machte ich mich daran Nachzuchten zu bekommen. In einem tollen Geschäft in Houten wurde ich fündig. Dort wurde ein Nachzuchtpaar angeboten. Die Eltern konnte ich ja schon auf Bildern bestaunen. Ich ließ mir das Paar reservieren und bei dem nächsten Treffen mit einem befreundeten Aquarianer aus den Niederlanden in der deutschen Hauptstadt für MA-Cichliden konnte ich das Paar entgegennehmen. Ja Duisburg ist immer eine Reise wert. Zuhause angekommen konnte man auch an diesen Paar gleich erkennen, dass sich Männchen und Weibchen farblich etwas unterscheiden. Es ist bei meinem Paar nicht ganz so deutlich wie bei dem Paar auf dem Foto. Jedoch ist das Weibchen intensiver gelb/orange gefärbt. Das wirkt bei dem Männchen etwas verschleiert. Auch die Rotfärbung im Kehlenbereich ist intensiver als beim Männchen. Die Grundfarbe im Gesicht ist ein zartes Blau welches durchzogen von roten Tüpfeln und Flecken ist. Die Blaufärbung zieht sich über die Stirn bis zum Rücken, etwa zur Hälfte der Rückenflosse. Auch nach dem roten Kehlbereich geht ein Blau weiter bis fast zur Mitte. Im Übergangsbereich mischen sich dann immer mehr gelbe und schwarze Schuppen darunter, so dass der Rest des Körpers gelb/Orange wird. Der schwarze Längsstreifen wird mit zunehmendem Altem vom Kopf her immer Kürzer und öfters unterbrochen. Der "Zweite Streifen" ist im hinteren Bereich des Rückens als Wolke erkennbar und wird zum Bauch hin etwas dichter. Ich pflege diese Tiere auf 3,15 x 1,00 m zusammen mit Vieja synspila, Herichthys carpintis und "C:" grammodes.

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Laguna Catazaja

Neben diesen drei hier kurz vorgestellten Varianten gibt es natürlich noch einige Varianten mehr. Jede Variante ist auf seine Art etwas besonderes. Besonders erwähnenswert finde ich die Variante aus dem Rio Bascan und eine tolle Variante um und aus der Laguna Catazaja. Um die volle Pracht und Eleganz all dieser Varianten bestaunen zu können ist natürlich auch Geduld erforderlich. Wie bei sehr vielen Cichliden aus Mittelamerika brauchen auch V. bifasciata gut drei Jahre dazu.

Vieja bifasciata eignen sich gut zu einer Vergesellschaftung. Auf Grund ihrer Form und Farbe unterscheiden sie sich von anderen Arten und Gattungen erheblich. Abgesehen von ihren nahen Verwanden ist das ein guter Beginn für eine erfolgreiche Vergesellschaftung. Es sind jetzt nicht die typischen Draufgänger jedoch verstehen sie sich darin ihr Revier oder Brut erfolgreich zu verteidigen.

Aus der Laguna Catazaja kommt eine sehr schöne, auffällig rote Variante. Jörg Chmilewski war so nett und hat mir einige Bilder zur Verfügung gestellt.

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Rio Teapa

Der Rio Teapa ist die Typuslokalität des Vieja bifasciata. Aus diesem Fluß hat Heller die Tiere entnommen, welche Franz Steindachner zur Beschreibung  von Heros bifasciatus verwendet hat. Diese Tiere sind also die wirklichen Vieja bifasciata. Von diesen Tieren ist auszuhegehen, wenn man andere Tiere aus anderen Gebieten als eine Variante oder gar eigene Art abgrenzen möchte. 
Im Jahre 2016 haben wir den Rio Teapa nach diesen Buntbarsch abgesucht. Es ist unsd gelungen einige Tiere unbeschadet mit nach Deutschland zu bringen. 
Dieser Fisch hat mir viel über sich selbst beibringen können. Dadurch, dass ich sie nun auch nachziehen konnte, Jungfische aufziehen konnte, habe ich mir ein Bild über Vieja bifasciata machen können. Dazu später mehr.
Tiere aus dem Teapa sind sehr variabel was Zeichnung und Flecken angeht. Auch bei dem Herranwachsen ändert sich das Bild immer mal wieder. Im Grunde ist Gelb die Grundfarbe. Zahlreiche rote Flecke überdecken den gesamten Körper. Der Bereich an der Kehle ist schön Rot. Am Kopf kann immer mal wieder etwas Blau zu sehen sein.


Ergänzung 2020
Der hier obenstehende Text ist, bis auf die Ergänzung des Rio Teapa, aus dem Jahre 2010. Mit der Pflege der Tiere aus dem Rio Teapa hat sich mein Standpunkt was Varianten angeht deutlich geändert. Darauf möchte ich mal hier eingehen.
Zunächst sehe ich heute (2020) meine Tiere aus dem Rio Candelaria und die Tiere aus dem Rio Usumacinta als Naturhybriden an. Meine damaligen Tiere aus dem Rio Candelaria lassen sich bis zu dem Fänger Willem Heijns zurückverfolgen. Auch er berichtet mir bereits, dass es sich um Hybriden handeln könnte. So hat er vor Ort Tiere gesehen, welche ihn zu dieser Einschätzung bewegt haben. Nichts desto Trotz waren das sie schönsten Fische meines Lebens!
Die Tiere aus dem Rio Usumacinta. Ich habe mittlerweile mehrere Bilder von Tieren aus dem Rio Usumacinta sehen können. Auch habe ich auf einen mexikanischen Fischmarkt eine Lieferung Viejas aus dem Rio Usumacinta begutachten können. Die wirklichen V. bifasciata aus dem Rio Usumacinta haben nicht viel mit den von mir gehaltenen gemein. Tiere aus dem Usumacinta sind mit den Tieren aus der Laguna Catazaja gleichzusetzten.
Heute bin ich der Meinung, dass es keine Standortvarianten von Vieja bifasciata gibt. Alle Unterschiede die uns dazu verleiten diese als Varianten zu bezeichnen, sind Unterschiede welche innerhalb einer Brut aus jedem Fluss vorkommen. So gibt es bei meinen Nachzuchttieren, aber auch bereits bei den mitgebrachten Wildfängen, innerhalb der Gruppe wesentliche Unterschiede. Unterschiede in der Intensität der Farben, der Flecke. Und nach diesen Kriterien unterschieden wir ja die sogenannten "Varianten". Für mich gibt es also keinen wirklichen Unterschied zwischen Tieren aus dem Rio Chacamax, im obigen Text noch als Rio Notutun bezeichnet, zu Tieren aus dem Rio Teapa. Genauso wie es keinen wirklichen Unterschied zwischen Tieren aus dem Rio Teapa und Tieren aus dem Rio Candelaria gibt. Zu sagen, Tiere aus dem Fluss xy sind prächtiger gefärbt kann durchaus berechtigt sein, aber es rechtfertigt keine eigene Variante. 
Natürlich ist es lobenswert und auch angebracht die Tiere verschiedener Herkunft auch als solche zu halten, zu pflegen und abzugeben. Aber wenn man die exakte Herkunft nicht weiß, kann man auf Grund der Färbung und Zeichnung eigentlich kaum oder keine Rückschlüsse dazu ziehen.

Einzig die Tiere aus der Laguna Catazaja und Tiere aus den Rio Usumacinta sehen auch für micht tatsächlich etwas anders aus würden den Stand einer Variante rechtfertigen. 

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Rio Teapa, Mexiko

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