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Nandopsis ramsdeni

Der graue Riese aus Kuba
Michael Pilack 2004










Man findet kaum etwas über ihn in der Literatur. Es gibt kaum Erfahrungsberichte über ihn. Es gibt kaum Fotos von diesen Fischen und vor einigen Jahren hätte man für ein ausgewachsenes Männchen bestimmt fast genauso viel Geld angeboten bekommen wie für einen Mittelklasse- Flower Horn.


Die Rede ist von Nandopsis ramsdeni. Der von Fowler 1938 als Cichlasoma ramsdeni beschrieben Buntbarsch lebt auf Kuba. Neben ihn gibt es dort nur noch einen anderen Buntbarsch, Nandopsis tetracanthus. Bis vor einigen Jahren kannte man N. ramsdeni nur von Zeichnungen her, Bilder sowie ein Foto aus der Revision kubanischer Cichliden von Howel & Rivas 1940. In dieser wird auch von einem Versuch berichtet, diese bis dahin beliebten Speisefische in anderen Stauseen und Flüssen auf Kuba zu kultivieren. Viele Jahre später, 1969, versuchte man nochmals N. ramsdeni außerhalb seines natürlichem Vorkommensgebiet auszusetzen. Allerdings blieb auch hier der Erfolg aus. Als Typusfundort wird Arroyo Hondo östlich von Guantanamo genannt. Sein natürliches Vorkommensgebiet beschränkt sich heute auf ein kleines Gebiet nördlich von Guantanamo im Osten Kubas.

Fowler benannte den Cichliden nach seinen Entdecker Charles T. Ramsden. Eine Zeitlang zweifelte man an der Existenz von N. ramsdeni, vielmehr vermutete man eine Zugehörigkeit zu N. tetracanthus. Jedoch bereits Fowler und 2 Jahre später Rivas stellten fest, dass sich N. ramsdeni deutlich von N. tetracanthus unterscheidet.

Klar, das so ein „Phantom“, wie Heiner Garbe ihn nannte, das Interesse eines Cichlidenliebhaber wecken muss. Klar auch, dass es Cichlidennarren zu verdanken ist, das dieser Fisch heute in Europa schwimmt. 1989 unternahm Heiner Garbe seine erste Reise nach Kuba. Da blieb allerdings der Erfolg Nandopsis ramsdeni zu finden aus. Die zweite Reise, 1996, war da erfolgreicher. Die Geschichte der Reise ist phantastisch und kann in der DATZ 1995 nachgelesen werden. Besser ist es aber sie persönlich von Heiner Garbe oder von Wolfgang Claßen (einen weiterer Teilnehmer der Reise) erzählt zu bekommen.

Gut, Nandopsis ramsdeni war also 1995/1996 in Deutschland, aber noch lange nicht in anderen Aquarien als bei „Wolle“ und bei „Heini“. Sie haben den Standpunkt vertreten, dass dieser Fisch nur seinen Reiz behält, solange er nicht greifbar ist. Nicht nur weil er eigentlich ein farbloser Fisch ist, was ja in deutschen Aquarien nicht gerne gesehen wird, nein, auch weil die Fangreise mit sehr viel Strapazen, Hindernissen und Zwischenfällen gespickt war und die Bemühungen nicht umsonst gewesen sein sollten. Ein Standpunkt welchen ich mit Heiner und Wolfgang teile, dennoch bin ich froh, das dieser Standpunkt einmal ganz kurz wackelte. Jürgen Balzer war es welcher ein schönes Paar Nandopsis ramsdeni als Geschenk erhielt. Natürlich war die Pflege dieser Cichliden für einen erfahrenen Cichlidenfreund wie Jürgen kein Problem und sie dankten es ihm bald mit reichlich Nachwuchs.


Das war für Aquaristen die erste reale Chance diesen Fisch zu bekommen. Bei einer Grillparty, welche regelmäßig einmal im Jahr bei Jürgen und Brigitte stattfindet, bot sich dann auch die Möglichkeit N. ramsdeni mit zu mir nach hause mit zu nehmen. Sie hatten eine Grösse von ca. 5 – 7 cm. Ich pflegte sie 2 Monate als mich ein Urlaub zwang meine Fische einen Fischlaien zu überlassen. Diesbezüglich kostet es mich immer reichlich Überwindung in den Urlaub zu fahren und es fällt mir schwer einmal in 2 Wochen nicht an meinen Keller zu denken. Ich glaube dies teile ich mir mit weiteren Aquarieanern. Jedenfalls war das passiert, was ich einen Alptraum nenne. Die Anlage befand sich in einen bedauernswerten Zustand und meine Ramsdeni hatten sich verabschiedet.

Berthold Weber erhielt zur selben Zeit und auf gleiche Art und Weise wie ich N. ramsdeni und hatte mehr Glück damit als ich. Im Januar 2002 überlies mir Berthold zwei Männchen und zwei Weibchen. Sie hatten eine Größe von ca. 15-20 cm. Und so konnte ich beginnen diese tollen Buntbarsche zu pflegen.

  Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit in einem 600 Liter Becken fand sich schnell ein Paar zusammen, so dass ich gezwungen war die übrigen beiden Tiere aus dem Becken zu nehmen. Ich entschloss mich das so zusammengefundene Paar separat in einem Becken zu pflegen und siedelte die beiden in ein 540 Liter Becken um, welches sie bis heute zusammen mit heranwachsenden Cichliden bewohnen. Dabei achte ich darauf, dass die Heranwachsenden eine gewisse Größe nicht überschreiten. Somit gehört das gesamte Becken, als Revier betrachtet, dem Pärchen Ramsdeni aber dennoch sind sie nicht alleine im Becken. Die Heranwachsenden sorgen für Abwechslung. Das Paar harmonisiert prima zusammen. Es kommt zu keinerlei Problemen. Allerdings erweisen sich meine Ramsdeni als relativ „Laichfaul“. Einmal, wenn ich Glück habe auch zweimal, im Jahr jedoch wird das Interesse des Männchens an dem Weibchen größer. Es wird mit weit gespreizten Flossen angefächelt. Ist auch das Weibchen bereit sich fortzupflanzen beginnt es den Kies umzugraben. Er wird (ganz nach Manier eines Mittelamerikaners) ins Maul geschoben und um den vermutlichen Laichplatz aufgetürmt. Die Balz wird intensiver, das Männchen wird in seinen Bewegungen schneller und aufdringlicher. Neben den gespreizten Flossen kommt es nun zu häufigem Kopfnicken. Ich habe das Gefühl, das sich das Männchen im Ganzen etwas aufhellt, während das Weibchen dunkler wird. Die Seiten des Männchens erscheinen unregelmäßig mit hellen Flecken welche ziemlich verwaschen wirken. Bei den Weibchen dunkeln die Seiten nach, jedoch die Beule und das Gesicht bleibt davon verschont. Nach einiger Zeit erscheint die sehr groß wirkende Legeröhre und es kommt zur Eiablage. Wie üblich schwimmt das Männchen darüber und befruchtet die Eier. Allerdings tun sich meine Ramsdeni etwas schwer auch etwas aus den Eiern zu machen. Beim ersten mal war das Gelege nach kurzer Zeit verpilzt, beim nächsten mal war die beiden nicht in der Lage das Gelege genügend zu bewachen, so das die Eier gefressen werden konnten. Nachdem nun zweimal eine Entwicklung der Eier scheiterte, entschied ich mich bei nächsten Mal das Gelege zu entfernen und eine künstliche Aufzucht zu probieren. Was mir auch gelang.

Sobald die Eier verschwunden sind zeigt sich der Ramsdeni-Mann von seiner unschönen Seite. Er beginnt sein Weibchen zu jagen und anzugreifen. Er läst nicht ab. Wenn ich die beiden nicht trenne wird er das Weibchen töten. Also entferne ich jedes Mal das Männchen für einige Wochen. In dieser Zeit kann sich das Weibchen wieder erholen und zu Kräften kommen und er kann in Isolationshaft über sein Verhalten nachdenken und sein Temperament wieder etwas zügeln. Das zusammensetzen nach einiger Zeit bereitet keine weiteren Schwierigkeiten.Das Gelege entwickelte sich nicht besonders gut. Es kam zu Verpilzungen . Dennoch schlüpften knapp 60 kleine Fische um die ich mich von da an aufopfernd kümmerte. Aus Erfahrung mit N. haitiensis heraus verzichtete ich bei der Fütterung der Kleinen auf Frostfutter. Sie bekamen entkapselte Nauplien sowie zu Staub gemahlenes Trockenfutter wie Sticks und Flocken. Es wurde reichlich gefressen und der regelmäßige Wassserwechsel begünstigte ein rasches Wachstum. Bei einer Größe von ca. 2-3 cm entschloss ich mich einige Tiere an dem durch Internet, mittlerweile auch persönlich, bekannten Aquarianer Jörg Alberig abzugeben. Da Jörg in Österreich wohnt und ein Freund von ihm, welcher ganz in meiner Nähe wohnt, vor hatte Jörg zu besuchen, bot es sich an seinem Freund die Fische mit zugeben. Es klappte alles hervorragend. Einige Tage später befand sich der erste Tote im Aufzuchtbecken. Was das bedeutet kenne ich von Nandopsis haitiensis und noch einigen anderen Cichliden. Bereits der kleinste Eingriff in die „Gewohnheit und Ruhe“ der Nachzucht hat einen 100% Ausfall zu Folge. Futter wird zwar noch in das Maul genommen, kurz darauf aber wieder ausgespuckt, die Atmung wird beschleunigt, der Bauch bläht auf und der Kot wird weiß bis klar und hängt als langer Faden am Bauch herunter bis er sich erst sehr spät ablöst. Das Resultat ist ein Massensterben. Leider erging es Jörg genauso. Diese Erfahrungen mit diesen Symptomen haben schon viele mir bekannter Aquarianer bei den verschiedensten Cichliden gemacht. Auf der anderen Seite gibt es Aquarianer die bei den gleichen Fischen überhaupt keine Schwierigkeiten haben diese aufzuziehen.


Ein weiteres Problem bei der Pflege von N. ramsdeni tritt bei mir auf. Das zweite bereits zuvor genannte Paar siedelte ich in meinem 3 Meter Becken um. Trotz Gesellschaft von anderen gleichgroßen und größren Cichliden gab es diesbezüglich keine Schwierigkeiten. Jedoch kommt es vor, dass vor allem das Weibchen hin und wieder auf der Seite des Körpers von einem Pilz o.Ä. befallen wird ohne das zuvor Wunden bemerkt werden. Dies behandle ich mit Erfolg mit handelsüblichen Präparaten welchen gegen Pilzbefall wirken. Des Weiteren bekam das Männchen (zum Glück bis her nur einmal) einen seitlichen Aufbruch welcher aber wieder verheilt ist. Auch dies kennen Aquarianer von gewissen Cichliden.

Das bemerkenswerte daran allerdings ist, das diese Symptome nur bei dem Paar in dem 3-Meter Becken auftreten. Als Ursache sehe ich hier, dass ich in meinen großen Becken hin und wieder mit dem Kescher hantieren muss um z.B. Nachzuchten zu Fangen. Dies halte ich, wie bei den Jungfischen von N. ramsdeni auch, als einen Stressfaktor. Der Beckenbesatz ist meinem Erachten nach mit 3 weiteren Paaren und einigen Halbwüchsigen nicht zu hoch. Der regelmäßige Wasserwechsel begünstigt den Umstand natürlich.

Allerdings, und das sehe ich als wesentlich an, beträgt die Durchschnittstemperatur in den großen Becken 26°C. Das Paar in dem kleineren Becken halte ich bei einer Durchschnittstemperatur von 23°C und diese bleiben bisher von solchen Symptomen verschont. Allerdings flackert die Balzbereitschaft der Tiere erst bei 25°C wieder auf obwohl sie in der Natur bei niedrigen Temperaturen (21°C) vorkommen und sich trotzdem vermehren. Genau das scheint Nandopsis ramsdeni das Leben auf Kuba gerettet zu haben. Ein N. tetracanthus mag dagegen wärmeres Wasser und vermehrt sich in zu kaltem Wasser nur recht langsam. Das Paar in dem grossen Becken laichte bisher einmal ab. Hier war die Aufzucht etwas erfolgreicher. Sie kümmerten sich um das Gelege, es kam kaum zu Verpilzungen. Nach einiger Zeit schlupften die Kleinen und nach weiteren 4 Tagen schwamm ein Schwarm kleiner N. ramsdeni frei. Ich nahm mir vor am nächsten Tag einige abzusaugen, jedoch waren alle am nächsten Tag verschwunden. Und auch hier bot sich mir nun das gleiche Bild. Das Männchen ging mit voller Brutalität auf das Weibchen los so dass ich auch hier sofort reagieren musste. Kurzer Hand zog er in Einzelhaft wo er sich bis jetzt auch noch befindet. Allerdings hat sich das Weibchen wieder wunderbar erholt und es spricht nichts mehr gegen ein baldiges zusammensetzen.
Natürlich ist Nandopsis ramsdeni kein Farbwunder. Aber weder Tetracanthus, noch Haitiense/Vombergae sind es und ich könnte wetten N. woodringi hat von der Farbe her nicht anders ausgesehen. Aber die „Inselcichliden“ bestechen durch ihr imposantes Aussehen. Haitiensis durch seine gewaltige Beflossung, Tetracanthus durch sein bulliges Auftreten und seinen verschiedenen Standortvarianten. Bei Ramsdeni ist es zweifellos seine Stirnbeule. Bei erwachsenen Weibchen ist die Kopfform bereits schön ausgeprägt, aber bei einem großen Männchen ist sie phantastisch. Sie wird höher als die Rückenflosse dabei aber nicht breiter als der Kopf. Von der Seite betrachtet geht die Kopfform fast senkrecht hoch. Die Bilder sprechen für sich. Bei mir haben beide Weibchen mehr Schwarz auf den Kiemendeckel und dem Kopf als ihre Partner. Dies könnte ein geschlechtsspezifischer Unterschied sein.Zwar pflegen zurzeit einige N. ramsdeni jedoch vermute ich ein baldiges Verschwinden dieser schönen Cichliden aus Mittelamerika in unseren Aquarien. Aber so ging es schon einigen Cichliden. Umso erfreulicher ist es, wenn man dennoch einen oder zwei Pfleger findet, welche Geschmack an solchen Fischen gefunden haben. Ich sehe die Schwierigkeit der Nachzucht als einen größeren Risikofaktor an.

Michael Pilack/2004

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Nandopsis ramsdeni (Fowler, 1938)

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Männchen

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Weibchen

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Nandopsis ramsdeni, Paar im Aquarium

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Gelungene Nachzucht

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Diese Paar hat sich gefunden

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