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Gedanken zu

Vieja melanurus und Vieja synspila

Michael Pilack, 2007


Ich pflege nun schon ca. 20 Jahre Cichliden aus Mittelamerika. Fast immer mit dabei Vieja synspila. Dass V. synspila sehr variabel in Form und Farbe sein kann ist hinlänglich bekannt. Je nach Vorkommen oder Aquarienstamm gibt es hellere oder dunklere Tiere, rote oder nicht so rote, hohe Tiere oder etwas lang gestreckte Tiere, Tiere mit einer riesen Beule aber auch alte V. synspila die nie eine Beule bekommen haben. Wenn eine Art so variabel sein kann, wie kann man dann Vieja melanurus als eine eigenständige Art ansehen? Schon Carl Hubbs wies 1935 bei seiner Beschreibung von „Cichlasoma“ synspilum auf die nahe Verwandtschaft zu Heros melanurum hin. Vieja synspila wurde an Hand eines einzigen kleinen Fisches mit knapp 7 cm Standardlänge von Hubbs beschrieben. Das Tier stammt aus dem Rio San Pedro de Martir. Dieser fließt in Guatemala, im Bundesstaat Peten, und entwässert in den Rio Usumacinta. Auch aus Peten, genauer aus dem Lago Peten, stammt Vieja melanura. Diesen beschrieb Albert Günther 1862 an Hand von mehreren Exemplaren mit einer Länge von ca. 7 bis 25 cm. Diese beiden Typenlokalitäten liegen dicht bei einander, gehören aber zu zwei von einander getrennt abfliesenden Systemen. Der Rio San Pedro ist gerade mal ca. 30 Kilometer Luftlinie vom Lago Peten entfernt. Auch Belize, ein nachweisliches Vorkommensgebiet von Vieja synspila, ist nicht weit.
Das Verbreitungsgebiet von Vieja melanura ist im Vergleich zu Vieja synspila relativ klein. Angegeben ist es mit Guatemala, vom Rio de La Pasion Richtung Petensee und seinen angrenzenden Seen bis zum Belize River in Belize. Das Vorkommensgebiet von Vieja synspila ist größer. In Guatemala erstreckt es sich vom Rio Usumacintabecken, Rio de La Pasion über Peten bis nach Belize. In Mexiko findet man Vieja synspila im Süden des Landes. Dort in den Rio Grijalva und Rio Usumacinta Einzugsgebieten die beide in den Atlantik entwässern. Also das Vorkommensgebiet von Vieja melanurus befindet sich mitten in den Vorkommensgebiet von Vieja synspila.


Das Farbkleid von Vieja melanurus wurde bereits 1862 vom Beschreiber Günther, kurz gefasst, wie folgt beschrieben;


Orange farbiges oder purpurartiges Braun, mit mehr oder weniger unregelmäßiges tief-schwarzes Band entlang der Mitte des Schwanzstieles; manchmal auch in Form von einer Reihe von mehr oder weniger unregelmäßigen schwarze Flecken. Bei einigen Exemplaren ist der untere Teil des Kopfes, Bauches und der Schwanzstiel tief schwarz; der Rücken, die Rücken- Schwanz- und Bauchflossen sind orangefarbig oder mit einem purpurartigen Braun, mit einigen zerstreuten schwarzen Punkten. 

Steindachner beschrieb 1864 Heros melanogopon, dies ist ein Synonym zu Vieja melanurus. Auch seine Beschreibung möchte ich hier mal sehr freizügig übersetzen:

Rötliches Braun, mit 4 schwarzen Flecken entlang des Rückens; eine andere Reihe der schwarzen Flecken seitlich entlang beginnend hinter der Brust, reichend bis zur Basis des Schwanzstieles; kleine Flossen mit perlmuttfarbenen Flecken, die auch auf den schwarzen Flecken vorhanden sind.

Der Artname melanurus bedeutet „ mit schwarzem Schwanz“, megalogopon „mit schwarzem Bart. Also scheint der Fisch auffällig dunkel zu sein.


Betrachtet man nun die auffallend wenigen Beiträge in Literatur usw. von Vieja melanura ist in den meisten Fällen immer ein und dieselbe Art abgebildet. Dabei handelt es sich um einen Vieja der in Form und Gestallt doch sehr an Vieja synspila erinnert. Es sind meistens Abbildungen von jungen Tieren die zwar schon ihre Geschlechtsreife erreicht haben aber noch nicht ausgewachsen sein dürften. Wir kennen das von Vieja synspila, und auch von all den anderen Vieja´s, wie oft sie doch noch ihr Farbkleid etwas ändert. Dies geschieht mit unter auch von einer auf die andere Minute. So eben waren sie noch leuchtend hell gefärbt und auf einmal schwimmen sie dunkel durch das Becken. Sie sind da sehr variabel. Beim genaueren betrachten fallen einem dann doch schon Unterschiede auf. Die schwarzen Flecken, Stellen und Punkte sind es nicht unbedingt die mich dazu bringen könnten ihn als Vieja melanurus zu erkennen. Es ist die Körperform und am allerwichtigsten, es ist die Färbung. Die Körperform ist allgemein lang gestreckter als bei Vieja synspila. Vieja melanura sind nicht so hochrückig und wirkt dadurch nicht so rund. Aber das wichtigste Unterscheidungsmerkmal für uns muss wohl die Färbung sein. Wie die beiden Wissenschaftler Günther und Steindachner schon geschrieben haben ist ihre Grundfarbe ein Orange bis Braun. Das trifft auf den gesamten Körper zu. Auf dem Kopf und bis zur Kehle ist die Farbe etwas intensiver und erscheint dunkler. Die Bereiche am Rücken und Schwanzflossenstiel sind dagegen etwas heller gefärbt. Auf der Körpermitte ist das Braun/Orange am hellsten.
Wenn man mal einen „echten“ Vieja melanurus gesehen hat ist es einem klar, dass es sich um zwei verschieden Arten handeln muss. Dann aber gibt es Tiere wo man nicht genau weis wozu man sie stellen soll. Wenn es von Vieja synspila so viele Varianten gibt, können es doch auch von Vieja melanurus verschiedene Farbvarianten existieren. Aber wo fängt dann Melanurus an und wo hört Synspila auf? Zu einer sichern Bestimmung gehört natürlich auch die Angabe des Fund-, oder Fangortes. Es gibt bisher noch keine Angaben, dass Vieja synspila mit Vieja melanurus syntop leben, d.h. in einem gleichen Biotop am selben Ort, vorkommen. Also bei Tieren aus dem Lago Peten oder der Laguna Sacpuy handelt es sich um Vieja melanurus.



Carl Hubbs, 1936, nennt als Unterscheidungsmerkmal das schwarze Band in dem Schwanzflossenstiel. Bei Vieja melanurus verläuft es gerade horizontal und würde bei einer Verlängerung am Auge rauskommen. Bei Vieja synspila neigt sich das Band etwas nach unten und würde bei einer Verlängerung cirka am Kinn raus kommen.

Rober Rush Miller schlägt 1966 sogar eine Synonymisierung vor. So müsste Vieja synspila ein Synonym zu Vieja melanurus darstellen.

Vergleich  von Bildern aus dem Internet mit dem Unterscheidungsmerkmalen von Carl L. Hubbs

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Vieja melanurus

80% der abgebildeten Tiere weisen ein gerades Band auf

20% hingegen ein Band was etwas nach unten verläuft

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Vieja synspila

69% bei Vieja synspila haben ein Band das nach unten weist

31% von Vieja synspila zeigen ein gerades Band


Nun möchte ich meine Vieja melanurus kurz vorstellen. Ich habe sie aus dem Handel unter der Bezeichnung „Vieja melanurus“ als Jungfische mit ca. 8-10 cm erstanden. Meine Bemühungen bei dem Händler die Herkunft dieser Tiere zu erfahren blieben erfolglos. Irgendetwas muss aber den Händler dazu bewegt haben die Tiere als Vieja melanurus anzubieten. Der Pfleger der Eltern dieser Jungfische sei ein Züchter/Pfleger seines Vertrauens und kommt aus der Gegend von Berlin. Mehr war nicht zu erfahren. Die 7 Tiere lebten sich rasch ein und fingen sofort an zu wachsen. Noch waren es für mich Normalgefärbte Vieja´s. Ein halbes Jahr später, mit gut 15 cm, fing ich an die Geschlechter zu unterscheiden. Jetzt fielen mir auch im Farbkleid einige unterschiede zu Vieja synspila auf. Oder wollten sie mir nur auffallen? Sie fingen an zu balzen. Ihre Kehlen färbten sich tiefschwarz. Der gesamte Bereich vom Maul bis zur Schwanzflosse war Schwarz. Der Kopf- und Nackenbereich leuchtete orange/braun, an den Flanken schimmerten sie wunderschön blau . Dies alles sind Merkmale die für Vieja melanura sprechen. Das blieb eine ganze Weile so. Sie sorgten in dieser Zeit für reichlich Nachwuchs. Aber das ist typisch für fast alle Vieja-Arten. Von den 7 Tieren bildeten sich 2 Paare und ein Trio. Eine optimale Geschlechterverteilung. Ein Paar habe ich abgegeben. Dieses Paar schwamm eine Zeit lang bei einem befreundeten Aquarianer. Aber die beiden passten sich nicht so ganz in die vorhandene Gesellschaft ein und mussten weichen. Er fing das Paar heraus und brachte es einem Händler, dieser sah sich die Tiere an und sagte „da bringst du mir aber ein schönes Paar Synspilum“. Von da an fing ich an zu zweifeln ob es sich bei meinen Tieren tatsächlich um Vieja melanura handelt. Noch sprach eigentlich alles dafür. Form, Farbe ja sogar das Verhalten. Denn Vieja melanura soll ja, im Vergleich mit Vieja synspila, lebhafter und etwas aggressiver seinen Artgenossen und Mitbewohnern gegenüber sein. Es passte einfach noch. Oder war aus dem Orange/Braun dann doch ein Rot/Braun geworden? Mit 25 cm gab es wieder eine Veränderung. Die Paare haben sich gefestigt. Es wurde langsam weniger mit der Eiablage. Die Tiere wurden ruhiger. Waren sie vorher permanent im Stress, gönnten sie sich nun immer längere Ruhepausen zwischen dem Laichakt. Da fiel es mir auf. Während sie am balzen, buddeln, drohen und verteidigen waren leuchtete sie richtig schön Orange. Der Körper hellte auf. Das Schwarz intensivierte sich. Zog sich vom Maul bis zum Schwanz. Der Bauch färbte sich bis zur Mitte des Körpers schwarz. Ja, so kenne ich sie. Aber nun, während der „Ruhephasen“ sieht das Farbkleid etwas anders aus. Es sieht dann doch stark nach Vieja synspila aus, wenn man doch bedenkt wie variabel dieser sein kann. Der Kopf ist bei weitem noch nicht so rot wie bei Vieja synspila, jedoch hebt es sich nun etwas mehr vom Rest des Körpers ab. Er ist dunkler, geht aber mehr in Richtung Rot/Braun als in Orange/Braun. Vom Kopf über den Rücken zum Schwanz wir die Farbe dann heller. Am Schanz schließlich handelt es sich um ein kupferfarbenes Orange. Auf Bauch, Flanke und Rücken wird aus dem schwarzen Zeichnungsmuster eine hellschwarze bis Grau wirkende Grundfarbe die sich immer wieder mit dem kupferfarbenen Orange abwechselt. So gefärbt hält jeder diesen Fisch für Vieja synspila. Also haben meine Tiere eine ausgeprägte Brutpflegefärbung. Wenn sie sich mal absolut nicht wohl fühlen, zB. bei einer permanenten Unterdrückung von einem „Cichlasoma“ grammodes Paar, färben sie sich fast schwarz. Bei 2/3 des Hinterkörpers überwiegt das Schwarz. Der Kopf bleibt dagegen etwas Rot aber auch ziemlich dunkel. Nach einem ausgiebigen Wasserwechsel färben sich meine Tiere wieder ganz hell. Sie leuchten orange/braun und sehen wieder aus wie Vieja melanura. Wenn ich die beiden Männchen, welche ja Brüder sind, direkt vergleiche stelle ich schon bei diesen beiden Unterschiede fest. Während einer die typische Vieja melanurus Form hat ist der andere hochrückiger. Aber gerade dieser zeigt die typischen schwarzen Flecken im Rücken sehr schön. Es ist natürlich klar das nicht einer wie der andere aussehen kann. Bezieht man diesen Satz aber auf die beiden Arten neigt man dazu Robert Miller Recht zu geben und beide als eine Art zu führen.

Das von Hubbs genannte Unterscheidungsmerkmal genieße ich mit Vorsicht. Bei meinen beiden Männchen treten jeweils das eine und das andere Merkmal auf. Bei den 3 Weibchen verläuft das Band gerade und würde für Vieja melanura sprechen. Ich denke dass dieses Merkmal wirklich sehr individuell ist. Hinzu kommt dass bei Jungtieren das Band noch geschlossen ist. Mit zunehmenden Alter und Größe löst sich das Band in eine Fleckenzeichnung auf. Meist 3 bis 4 größere Flecken. Dies konnte ich gerade bei meinen Tieren gut verfolgen und fotografisch belegen. Dennoch habe ich einmal eine ganze Reihe von Bildern aus dem Internet gerade auf dieses Merkmal hin verglichen (siehe Grafiken). Statistisch gesehen komme ich zu dem Ergebnis dass Carl Hubbs Recht hat.

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Carl Leavitt Hubbs, Geboren: 19. Oktober 1894, Gestorben: 30. Juni 1979


Auch wenn ich jetzt nicht Mehr weis als vorher handelt es sich bei meinen Tieren um imposante, schön gefärbte Vieja´s. Auffallend bei den Nachzuchttieren ist eine relativ hohe Anzahl an blauen Glanzflecken bei einigen Exemplaren. Schon ab 4 cm fängt die Nackenregion an sich Rot/Braun zu färben. Das zieht sich vom Nacken bis hinunter zu den Kiemendeckeln und läuft dann abschwächend auf der Körpermitte Richtung Schwanz. Das Gesicht erscheint blass grau und schimmert, wie der Rücken, etwas grün.
Bei einem Gespräch mit meinen Freund Helmut kamen wir auch auf das Thema Melanurus. Er pflegte zu diesem Zeitpunkt selbst ein Paar und lobte seine intensive rote Färbung. Rot? Müssten sie nicht braun/orange sein? Helmut hatte das Glück dem Peten-See mal einen Besuch abzustatten und unterrichtete mich über eine Alge die dem Vieja melanurus im Lago Peten als Nahrung dient. Diese Alge enthält reichlich Zeaxanthin, ein Beta-Karotinderivat. Dies ist ein gelber Farbstoff der unter anderem unsern Mais seine gelbe Farbe gibt. Meine Schlussfolgerung, es liegt an der von uns gereichten Nahrung. Klar dass die Fischfutterindustrie- und Forschung auf die Bedürfnisse und Wünsche seiner Kunden eingeht und das heißt nun mal viel Rot. Also finden wir in unserem Fischfutter Stoffe die die Farben der Fische intensivieren. Dies sind vor allem Beta Carotin, Astaxanthin und Canthaxanthin. Alles Stoffe die die Farbenpracht unserer Fische unterstützt. Vor allem die Farbe Rot profitiert davon.
Wenn also unsere Melanura nun nicht mehr ihre Algen mit dem gelben Farbstoff bekommen, statt dessen Diskusgranulate mit Astaxanthin ist doch ganz klar dass aus gelborangen Farbtönen ein Rot wird.  Mit der Verabreichung von zeaxanthinhaltigem Futter sollten unsere Melanura nun ihre orange-braune Farbe, wie sie sie auch im Lago Peten nachweislich haben, zurück erlangen. Ein Versuch von mir in dieser Richtung blieb allerdings erfolglos. Ich fütterte über einen längeren Zeitraum meinen Melanura Sticks die mit dem Farbstoff Lutein versetzt waren. Ihre Farbintensität verstärkte sich zwar etwas aber das erreicht man ja mit vielen Futtermitteln die mit Zusatzstoffen versehen sind. Ein eklatanter Farbwechsel blieb aus. Als witzigen Nebeneffekt bekam ich schöne Parachromis managuensis mit einer etwas gelblichen Grundfärbung. 

FireHeadCichlid,
so wird er genannt, Vieja synspila. Der Name spielt ganz offensichtlich auf seinen roten Kopf an. Also eine klare farbliche Abgrenzung vom Rest des Körpers. Das ist für mich ein Synspilum. Roter Kopf, helles Mittelteil und ein gelb/goldenes Hinterteil. Bei einem Melanura sind die farblichen Übergänge vom Kopf zum Schwanz nicht so stark ausgeprägt und gehen ehr fliesend in einander über. Es kommt nicht zu dieser klaren Teilung wie wir sie bei Vieja synspila vorfinden.

Ein perfektes Bild dazu hat J. Tuitman geschossen. So sieht für mich ein Synspila aus.

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Vieja melanurus,

hier Wildfänge aus den Peten-See von Heiner Garbe  

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meine Vieja melanurus

mit 15 cm

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mit 20 cm

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mit 30 cm

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meine V. melanurus 2007

Männchen

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Weibchen

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Vieja melanurus, Wildfang von Xaver Hofer

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Vieja synspila

„Spoted“

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Vieja synspila

„Belize“

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Vieja synspila

von mir gepflegte "Helmke-Varianta

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Addresse

34225 Baunatal 
Grüner Weg 33 B