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Vieja synspila
2004

Mit Recht einer der beliebtesten Buntbarsche aus Mittelamerika in unseren Aquarien. Seine deutsche Bezeichnung lautet Quetzalbuntbarsch. Der Quetzal ist der Wappenvogel Guatemalas. Ein ausgesprochen farbenprächtiger aber leider vom Aussterben bedrohter Vogel. Diese Farbenpracht gab unserem Vieja seinen Namen.

Sicherlich ist die Farbenpracht nicht alleine Schuld an der Beliebtheit. Nein, auch sein Wesen, seine Ausstrahlung machten ihm zu dem was er ist. Es stellt keine besonderen Ansprüche an die Wasserwert, ist anderen Fischen vergleichsweise friedlich gegenüber und belohnt den Pfleger durch sein imposantes Aussehen.
Hubbs beschrieb 1935 einen kleinen, nur 69 mm messenden Cichliden aus den Rio San Pedro de Martir als Cichlasoma synspilum. Synspilum kommt aus dem griechischem und bedeutet zusammenhängende Flecken. Der Rio San Pedro de Martir ,Peten, Guatemala, ist ein Zufluss des riesigen Rio Usumacinta. Allerdings beschränkt sich das Verbreitungsgebiet nicht nur auf den Rio San Pedro. Das Vorkommensgebiet von Vieja synspila erstreckt sich vom Usumacinta-Becken Mexikos und Guatemalas bis zum Belize River in Belize. Dieses doch relativ grosse Verbreitungsgebiet ermöglicht ein Vorkommen mehrerer Farbvariaten von Vieja synspila. So kommt es , das in unseren Aquarien verschiedene Varianten gepflegt werden. Je nach dem wo sie herkommen gibt sie es ziemlich dunkel gehalten, mit relativ wenig Rotanteil, der sich dann auf den Kehlenbereich beschränkt, es gibt welche bei dem der gesamte Vorderkörper in einem kräftigen rot erstrahlt. Es gibt sie mit Glanzflecken und ohne, mit wenig Schwarz im Rücken oder mit viel. Es gibt eigentlich Nichts was es nicht gibt. Aber auch in der Form gibt es Unterschiede. Je nach Lebensraum gibt es hochrückige Tiere. Diese kommen in langsam fließenden Flüssen oder in Seen vor. Tiere aus schnellfließenden Flüssen haben sich dem Lebensraum mit einem niedrigen lang gestreckten Körper angepasst, oder umgekehrt.


Diese Vielseitigkeit gab Aquarianern aber auch Wissenschaftlern ein kleines Rätsel auf. Bereits 1862 beschrieb Günther einen Fisch aus den Petensee in Guatemala als Heros melanurus. Melanurus bedeutet auch so viel wie dunkle Flecken. Der Name Cichlasoma melanurus hatte immer seine Gültigkeit, jedoch war man versucht Cichlasoma synspilum als ein Synonym zu C. melanurus anzusehen. Irgendwann gelangten Melanurus in deutsche Aquarien, räumte aber nicht jeden Zweifel endgültig aus. Fest steht, das diese beiden Arten wirklich sehr nahe verwand sind. Ihre Ähnlichkeit bestätigt dies. Jedoch erkennt man auch klare Unterscheidungsmerkmale. Die Farben bei Melanurus sind etwas zurückhaltender und wesentlich mehr ins gelb-orange gehalten. Sie wirken im Gegensatz zu Synspilum gestreckter. Handelt es sich bei diesen beiden wirklich um 2 Arten oder um eine weitere Variante? Wenn ja ist Vieja synspila ein Synonym von Vieja melanurus.

Nachdem Kullander die Gattung Cichlasoma überarbeitet hat(1983) stellte man Cichlasoma synspilum in die Gattung Vieja. Der Begriff Vieja stammt aus dem spanischen und bedeutet so etwas wie "Alte", "alte Frau" was sich bestimmt auf das Brutpflegeverhalten dieser Fische bezieht.

Zur Pflege von Vieja synspila.

Um Vieja synspila erfolgreich pflegen zu können ist ein Behälter mit einer Grundfläche von 1,50m auf 0,50m (besser 0,60m) Grundvoraussetzung, grösser ist natürlich immer besser. Das die Großbuntbarsche Mittelamerikas, egal um welche es sich handelt, immer als streitsüchtig, rauflustig, unverträglich usw. bezeichnet wurden (und immer noch werden), ist nämlich auf zu kleine Aquarien zurück zu führen. Um ein gut verträgliches Paar zu bekommen hat man zwei Möglichkeiten:

Möglichkeit 1: Es ist wohl nicht schwierig diesen beliebten Cichliden in einem spezialisierten Zoogeschäft paarweise zu bekommen. Ab und an werden auch Paare von privaten Züchtern oder Pflegern abgegeben. Vorteil dieser Methode, man besitzt (das vertrauen des Verkäufers vorausgesetzt) sofort ein harmonisches Paar. Nachteil ist wahrscheinlich der Anschaffungspreis und man verpasst das interessant zu beobachtende Verhalten von aufwachsenden Jungtieren.

Möglichkeit 2: Die wahrscheinlich günstiger Methode ist die Anschaffung einer kleinen Gruppe bestehend aus mind. 6 Tieren mit ca. 10 cm Länge. Aus dieser Gruppe findet sich dann bei Eintritt der Geschlechtsreife ein harmonisierendes Paar. Vorteil, ein so gefundenes Paar hält eigentlich fast immer ein Leben lang. Nachteil, wohin mit den restlichen 4 Tiere.

Trotz der ebnen genannten Methoden ist es die Pflicht eines Pflegers dafür Sorge zu tragen, das das kleinere Weibchen stets eine Zuflucht hat und sich dem immer möglichen Übergriffen des grösseren Männchen schützen zu können. Dies gilt übrigens auch für alle anderen Mittelamerikaner und Südamerikaner. 

Einer Vergesellschaftung dieser Cichliden steht nichts entgegen. Bei Vieja synspila handelt es sich, sind sie aus dem stürmischen Jugendalter entwachsen, um ruhige Pfleglinge, die ihre Position im Becken vertreten können, aber nicht unbedingt erzwingen müssen. Das heißt sie sind relativ Standorttreu und verteidigen ihr Revier gegenüber Rivalen. Wobei in den meisten Fällen der Synspilum herausgefordert wird und er sich eigentlich nur verteidigt. Sie dulden andere Fische in ihrem Revier wenn sie es durch schwimmen und sehen es mit dem Revier eigentlich erst richtig ernst wenn sie zur Fortpflanzung schreiten. Andererseits lässt sich ein Synspilum häufig von größeren oder aggressiveren Fischen schnell einschüchtern. Dies sollte unbedingt beachtet werden, wenn man sie vergesellschaften möchte.

Ausgewachsene Männchen können eine Endgröße von über 35 cm erreichen. Selten werden sie 40 cm. Die Weibchen bleiben kleiner und wirken vor allem am Bauch rundlicher. Männchen bekommen einen Stirnhöcker. Dieser kann bei einigen Tieren ganz schöne Ausmaße erreichen. Jedoch bekommen auch die Weibchen im Alter eine leichte Beule. Sieht man solche Weibchen alleine (ohne dem Vergleich des dazu gehörigen Männchens) hält man es schnell für ein Männchen. Ein Unterscheidungsmerkmal stellen auch die schwarzen Tüpfel in der Rückenflosse dar. Diese sind bei Weibchen gar nicht oder nur wenig vorhanden.

Wie schon genannt spielen die Wasserwerte eine untergeordnete Rolle bei der Pflege. Die Auffindung in den unterschiedlichsten Biotopen ihrer Heimat belegen dies eindrucksvoll. Als ideale Pflegetemperatur kann man 24°-28°C nennen. Als unterste Grenze für eine dauerhafte Pflege sind 22°C zu nennen. Kurzfristig werden auch schon mal 19°C vertragen. Nach oben hin sind 32°C, wenn nötig bitte nur kurze Zeit, als Grenzwert anzusehen. Ein regelmäßiger Wasserwechsel ist für eine erfolgreiche Pflege unerlässlich. Erfahrungen, aber auch ein gesunder Menschenverstand, kommen zu den Ergebnis, das bei einer Vernachlässigung des Wasserwechsels die Tiere schlecht wachsen, keine gesunden Farben zeigen und nur vor sich hin kümmern. Bei einem regelmäßigen Rhythmus des Wasserwechsels, und besonders kurz danach, hat der Pfleger Gelegenheit die volle Schönheit und Farbenpracht seiner Pfleglinge zu bestaunen. Natürlich nehmen sie einen mal etwas nach hinten verschobenen Wasserwechsel nicht gleich krumm, dennoch kann man 1/3 Wassertausch alle 14 Tage als Minimum betrachten. Vieja synspila sind sehr gute Fresser, sie nehmen jedes gängige Futter dankbar an. Ob es sich dabei um Trockenfutter in jeglicher Form oder Frostfutter handelt obliegt dem Pfleger. Allerdings benötigt ein Synspilum, genau wie die übrigen Vieja-Arten, unbedingt Futter auf pflanzlicher Basis. Es gibt heute Sticks und Granulate mit einem hohen pflanzlichen Anteil, aber auch Erbsen, Salat, Spinat werden gerne angenommen. Völlig out sind mittlerweile Rote Mückenlarven und Rinderherz. Jüngste Erfahrungen und Ergebnisse habe gezeigt, das man eigentlich nur Nachteile zu erwarten hat. Allerdings neigt ein Synspilum gerne mal dazu etwas zu viel Futter aufzunehmen. Das Ergebnis ist anschließend offensichtlich und es führt zu einer Verfettung sämtlicher Organe, die Geschlechtsorgane mit eingeschlossen. Solch gemästeten Fische sind nicht mehr in der Lage für Nachwuchs zu sorgen.

Zum Thema Nachwuchs muß noch erwähnt werden, das es sich bei Synspilum als besonders schwer herausgestellt hat adulte Tiere zusammen zu führen. In der Regel funktioniert es gar nicht und das Weibchen bleibt auf der Strecke. Es benötigt schon etwas Zeit und Aufwand bis man zu einem positiven Ergebnis gelangt. Junge Tiere bis ca. 20 cm erweisen sich noch sehr Vermehrungsfreudig. Dies lässt im Alter nach. Es wird zwar das ganze Jahr über mal mehr mal weniger gebalzt, jedoch kommt es nur noch einmal im Jahr zu einer Eiablage, wenn überhaupt. Natürlich haben dann die Gelege von erwachsenen Tieren eine entsprechende Anzahl an Eiern und später an Jungfischen. 300 - 800 junge sind dann keine Seltenheit. Bevor es aber soweit ist, wird nach bekannter mittelamerikanischer Manier das Aquarium zur Baustelle. Es werden mengen von Kies und Steinchen aufgetürmt. Steinplatten, Holzwurzelflächen, Bodenscheibe, egal alles wird geputzt und eignet sich später als Laichsubstrat. Als Lohn für eine erfolgreiche Fortpflanzung ist dann der Anblick der stolzen Eltern zu betrachten, welche majestätisch durchs Becken ziehen. Eine Situation, die für jeden Pfleger immer wieder ein ganz besonderes Erlebnis ist. Möchte man Jungfische separat heran ziehen, so hat man jetzt die Gelegenheit einen Teil des Jungfischschwarmes mit dem Kescher abzufangen. Aber bitte den Eltern nie alle Jungfische weg nehmen. Lasst, um des Friedens willen, dem Paar einen Teil Junge, damit sie ihren "Aufwuchsbeschützerdrang" ausleben können. Die Jungen werden von ganz alleine immer weniger, jedenfalls in einem Gesellschaftsbecken, und ausserdem kommt es nach einem abrupten Abbrechen der Brutpflege zu den schlimmsten Auseinandersetzungen zwischen Männchen und Weibchen. Die so gewonnenen Jungfische lassen sich allgemein problemlos aufziehen. Am Anfang werden frisch geschlüpfte Artemia genommen, ab etwa 1 cm sind sie bereits in der Lage zermahlenes Flocken- oder Trockenfutter auf zu nehmen. Ab jetzt bitte schon an pflanzliche Kost denken. Bei guter Fütterung und häufigem Wasserwechsel werden die kleinen Synspilum schnell heranwachsen und ab ca. 4-5 cm anfangen Farbe zu zeigen.


Im Rio San Pedro de Martir kommen neben Salmlern, Welsen und Lebendgeärenden z.B. noch Cichliden vor wie Thorichthys meeki, Petenia splendida, Parachromis friedrichsthalii. Des weitern lebt Vieja synspila auf der atlantischen Seite von Mexiko, über Guatemala bis Belize u.A. mit Cichliden zusammen wie Hypsophrys nicaraguensis, "Cichlasoma" salvini, Vieja fenestrata, "Cichlasoma" urophthalmus. Natürlich lässt sich Vieja synspila mit weiteren Buntbarschen vergesellschaften.

Mittlerweile gibt es Erfahrungsberichte über mögliche Hybridisierungen zwischen Vieja-Arten, dies sollte unbedingt bei einer Vergesellschaftung bedacht werden. Ebenso eine Vermischung von verschiedenen Varianten ist möglich aber keinesfalls ratsam. Das ohne hin relativ schwierige zuordnen von Standortvarianten wird dadurch eigentlich nicht mehr möglich. Ist man im Besitz einer Variante, deren Herkunft als sicher gilt, sollte man bedacht sein, diese Variante als solche zu erhalten. Es tauchen in Aquarien viele, vielleicht zu viele, Varianten auf die auf eine Vermischung hin deuten. Genau wie Tiere unbekannter Herkunft werden diese als Aquarienform bezeichnet. Jede bekannte Standortvariante ist es auf seine weise wert als solche erhalten zu werden, schöne Aquarienformen auch, aber eine Vermischung kann und darf nicht im Sinne eines verantwortungsvollen Aquarianer oder Züchters sein. Selbst der asiatische Trend der "Flauer Horn Fische" ist nach letzten Angaben dabei wieder ab zu klingen. Und man kann von Glück sagen, das Europa bzw. Deutschland davon bisher weitest gehenst verschont geblieben ist. Natürlich handelt es sich bei diesen Fischen um wirklich schöne Exemplare, jedoch ein Blick zurück in die Natur lässt wirklich wahre Schönheit und Vielfalt erkennen.

 

Michael Pilack/2004

Mobirise
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Grüner Weg 33 B